Haussammlung – die Caritas bittet um Spenden für ihre Aufgaben. Diese haben sich im Laufe der Zeit verändert und vermehrt.
Johann Loidl war eine der ersten Caritas-Persönlichkeiten der Diözese Linz nach dem Zweiten Weltkrieg. 41 Jahre, von 1946 bis zu seiner Pensionierung 1987, leitete er die Geschicke des Referates Kinder- und Jugendhilfe, der Fürsorge und schließlich des Sozialzentrums. Acht Mitarbeiter/innen bildeten in den ersten Jahren das Team.
Schlange stehen
In der ersten Zeit nach dem Krieg standen die Leute von morgens bis abends vor der Ausgabestelle der Caritas in der Linzer Seilerstätte Schlange, erinnert sich Johann Loidl. „Da hat man nicht fragen müssen: Bist du arm?“ Die große Not prägte diese Jahre. Im Land, das schwer zerstört war, hielten sich zudem viele Flüchtlinge auf. 60.000 Kriegsgefangene wurden in Lagern festgehalten. Dies veranlasste die Caritas, eine Lebensmittelaktion zu starten. Sie bat die Bauern um Lebensmittelspenden. Vor allem die städtische Bevölkerung von Linz, Wels und Steyr brauchte Hilfe. Für die Transporte bat die Caritas die Besatzer, die Amerikaner, um Hilfe. Diese stellten LKWs samt Chauffeure bereit und kamen auch für die Treibstoffkosten auf. 1946 wurden über 200 Tonnen Lebensmittel gespendet und verteilt, 1950 fast 550 Tonnen. Johann Loidls Bruder, damals Kaplan in Rainbach i. Mkr., hat 20.000 Kilogramm Erdäpfel fürs Priesterseminar gesammelt. Er hatte den Spitznamen „Erdäpfelkaplan“.
Kakao und Baguette
„Wir haben so viel Obst bekommen, dass wir eine Firma suchten, die uns die Äpfel zu Saft verarbeitete. Was meinen Sie, wie das in den Kindergärten und Altenheimen gut angekommen ist?“, erinnert sich Loidl. Mit Geschichten aus einer besonderen Caritas-Epoche kann er Zeitgeschichte lebendig vermitteln. Etwa wenn er von den Kindererholungsaktionen (1950 bis 1965) erzählt, die er nach Belgien oder Portugal begleitet hat und an denen 25.500 oberösterreichische Kinder teilgenommen haben. Einmal blieb der Zug wegen eines Eisenbahnerstreiks nahe Lourdes für Stunden stehen. Kurz entschlossen ging die Reisegruppe nach Lourdes. Nach dem Gottesdienst überraschte der Ortsbischof die Kinder. Er ließ an sie Kakao und Baguette verteilen – ein Festmahl!
Stöckelschuhe & Dosenkäse
Auch vom Ausland trafen viele Hilfslieferungen ein, die die Caritas an Bedürftige weitergab. Zwischen 1946 und 1951 konnte die Caritas 100.000 Kleidungsstücke und 112.000 Kilogramm Lebensmittel-Spenden des Vatikans verteilen. Mehr als 600.000 Kleidungsstücke und fast 1,25 Millionen Tonnen Lebensmittel spendete die amerikanische Caritas, darunter so „fremde“ Dinge wie Stöckelschuhe. Auch für manche Lebensmittel mussten sich die Caritas-Leute erst zeigen lassen, wie mit ihnen zu kochen ist. Fässer mit Trockenmilch waren darunter oder Käse in großen Dosen. Etwa 366.000 Kilogramm Lebensmittel stellte die UNICEF für die Ausspeisung in den Kindergärten zur Verfügung.
Und vieles mehr
Die Bahnhofsmission – „schade, dass es diese nicht mehr gibt“ – hat bis 1954 vor allem Heimkehrer betreut und diesen fast 80.000 Nächtigungen ermöglicht. Hilfe aus internationalen Spenden gab es auch für die ausgesiedelten Volksdeutschen. Sie erhielten Wohnbaudarlehen. Für die Caritas, die nur die Hilfe abwickelte, war es mitunter eine schwere Zeit. denn oft hörte sie den Vorwurf, dass sie Hilfe ja nur den Flüchtlingen zukommen lasse. (Die Zeiten ändern sich kaum ...)
Es war in der Caritas eine Gründerzeit. Die ersten Heime entstanden, zum Beispiel Gleink. 1955 begann die Alkoholikerhilfe, 1962 der Krankendienst. Er nahm sich um allein stehende Menschen an, die nach einem Krankenhaus-Aufenthalt einer Pflege bedurften, aber nicht wussten, wie und wo...