Im Vorjahr wurden stellvertretend für die vielen „Hochwasser-Helferinnen“ vier Personen mit dem Solidaritätspreis der Kirchenzeitung ausgezeichnet. Die KIZ hat sie nach der aktuellen Lage in den betroffenen Gemeinden gefragt.
„Das Hochwasser spürt man noch immer“, bringt KonsR Dr. Alexander Kronsteiner die Situation auf den Punkt. Der Pfarrer von Steyr-St. Michael ist auf die Solidarität in seiner Gemeinde stolz. „Im Stillen läuft viel Hilfe weiter.“ Die Nachwehen, wie Kronsteiner die Hochwasserfolgen nennt, sind vielfältig: Manche Betroffene brauchen Beratung, weil die Renovierungsmaßnahmen nicht zielführend waren. So blättert schon wieder der Putz ab. Andere benötigen Unterstützung, weil sie sich mehr finanzielle Hilfe erhofft hätten und nun verschuldet sind.
Elisabeth Fuchshuber aus Ansfelden ist noch immer regelmäßig zu den Hochwasseropfern unterwegs: „Die Fassaden an den Gebäuden sind großteils geglättet, das, was in den Menschen drinnen ist, lässt sich nicht so einfach ungeschehen machen.“ Die Betreuung ist gesprächsintensiver geworden, stellt Fuchshuber fest: „Seelsorge ist jetzt enorm wichtig und so sehe ich meine Arbeit auch.“ Die älteren Menschen unter den Hochwasseropfern ermuntert sie ihre schrecklichen Erfahrungen in Gedichten, Geschichten und Bildern aufzuarbeiten. Vielleicht wird aus diesen Beiträgen sogar einmal ein Buch. Und natürlich unterstützt die Hauptschullehrerin die Leute bei den Problemen des Alltags, z.B. wenn der Kanal nicht funktioniert oder bei finanziellen Schwierigkeiten. In der Pfarre Schwertberg hat Schulrat Franz Luftensteiner die Hochwasserhilfe koordiniert. Er steht nach wie vor als Anlaufstelle zur Verfügung. In den letzten Monaten sind die Anfragen aber selten geworden.Marianne Kaindl vom sozial-caritativen Fachausschuss der Pfarre Baumgartenberg leitete die Hilfsgüterverteilung für Baumgartenberg und Mitterkirchen. In dieser Region des Machlandes werden zur Zeit die Bewohner/innen von 240 Häusern abgesiedelt. Bis Ende März 2004 haben Caritas OÖ und Rotes Kreuz eine Beratung für Aussiedler angeboten, die auch rege in Anspruch genommen wurde. Baumgartenbergs Bürgermeister Erwin Kastner analysiert die Situation für das Machland: „Die Häuser verlassen zu müssen, ist für die Menschen sehr hart, auch wenn sie oft in derselben Gemeinde wieder bauen können. Sie sind mit ihren angestammten Dörfern sehr verbunden.“ Die Zeit des Übergangs sei schwierig, so Kastner, und er macht sich keine Illusionen: „Bis die Aussiedler sich wieder fest eingewurzelt haben, werden vermutlich noch fünf bis sieben Jahre vergehen.“
Jahrelange Übergangszeit
Für Baumgartenberg will die Gemeinde einen Dorfentwicklungsprozess initiieren, damit das Beziehungsgefüge im Ort leichter ins Lot kommen kann. Als Obmann des Hochwasserschutzverbandes Donau-Machland ist Kastner auch an der Errichtung des Schutzdamms von Mauthausen bis nach St. Nikola führend beteiligt. Er hofft, dass bis Ende 2004 die Umweltverträglichkeitsprüfung abgeschlossen ist und im Jahr 2005 Baubeginn sein kann. Das Projekt wird über 100 Millionen Euro kosten.