Werden es 80.000 sein – oder gar 100.000? Was den Organisatoren des Katholikentages in Mariazell Sorgen macht, ist die große Zahl der erwarteten Wallfahrer/-innen. Dass man sich bei kirchlichen Angeboten des Andrangs kaum erwehren kann, ist selten geworden. Meistens ist es umgekehrt: Mit viel Mühe wird etwas vorbereitet, aber die Gäste bleiben aus.
Wir werden weniger! Mit dieser Erfahrung schlagen sich Seelsorger/-innen seit langem herum. Weniger kommen, weniger interessieren sich für den kirchlichen Dienst, weniger Geld steht zur Verfügung. Aber lässt sich daraus schließen, dass die Menschen deshalb „unchristlicher“ oder gar „schlechter“ wären? Jemand verglich den Zustand der Kirche mit dem Stand-by-Modus bei einem Fernsehgerät: im Hintergrund in Bereitschaft sozusagen, und wenn es sein muss, schnell da. Zu den „heiligen Zeiten“ erwachen Christen aus ihrem Stand by-Modus. Für viele mag auch der Katholikentag ein solcher Anlass sein. Noch wichtiger wird sein, ob sich Christen auch aus der Reserve locken lassen, wenn ein Mensch sie braucht. Die Aufmerksamkeit füreinander ist wohl im Stand-by-Modus schlechter gegeben als im Wachsein füreinander.
Nach dem Katholikentag kommt der Katholikenalltag. Wenn sich viele durch die schöne Erfahrung einer Großveranstaltung motivieren lassen, nicht gleich wieder auf „Ruhezustand“ zurückzuschalten, sondern in den „Wachzustand“ des Christseins zu wechseln, hat sich Mariazell gelohnt.