In Europa ging in fast allen Ländern in den vergangenen Jahren die Kinderzahl dramatisch zurück. Das wird nicht nur für die Zukunft der sozialen Sicherungssysteme zum Problem, das führt auch zu einer geistigen und sozialen Verarmung der Gesellschaft. Eine zeitgemäße Förderung von Ehe und Familie war daher auch eine der zentralen Forderungen beim Laienkongress zum Mitteleuropäischen Katholikentag. Christen müssten sich verstärkt dafür einsetzen, dass Ehe und Familie unter den heutigen gesellschaftlichen Bedingungen – und nicht nach vergangenen bürgerlichen Idealbildern – gelebt werden können. Als Schulen für Partnerschaft und Solidarität, des Lernens an Konflikten und der liebenden Fürsorge, aber auch als Schulen des Glaubens sind sie so etwas wie der Ackerboden zukunftsfähiger Gesellschaften. Die erheblichen Schwierigkeiten, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen, sind einer der wesentlichen Gründe für die sinkende Kinderzahl. Mit dem Recht der Eltern auf Teilzeitarbeit bis zum siebten Lebensjahr des Kindes wollte die Regierung das Vereinbarkeitsproblem entschärfen. Mit der im Familienausschuss des Parlaments beschlossenen Lösung wurde die Absicht allerdings stark verwässert. Die Teilzeit können nämlich nur Eltern in Anspruch nehmen, die länger als drei Jahre in einem Betrieb mit mindestens 20 Mitarbeitern tätig sind. Nach Schätzungen trifft das z. B. nur für gut ein Drittel der Mütter zu. Und auch da ist es kein Recht, sondern hängt von der Zustimmung des Chefs ab. Eine Elternteilzeit bis zum vierten Lebensjahr für alle soll nachgebessert werden, hieß es. Schade, aber typisch: zuerst kommt die Wirtschaft und dann (vielleicht) die Bedürfnisse der Familien.