Das „Ereignis Mariazell“ in Zusammenhang mit Pfingsten zu sehen scheint gewagt. Wer Pfingsten nur vom Ende des Pfingstereignisses her sieht – vom erlösten Jubel und von der Befreiung von der Angst, von den „Feuerzungen“, mit denen die Apostel entflammt waren – für den hat das „Ereignis Mariazell“ nicht allzu viel mit Pfingsten zu tun. Jubel und Begeisterung schienen unterkühlt. Umso deutlicher wurde eine anderes, höchst pfingstliches Phänomen: die Geduld der Wallfahrer/-innen. Körperlich mussten sie Kälte, Nässe und lange Fußwege auf sich nehmen. Das war nicht zum Jubeln.
Und so war es zu Pfingsten: In Ratlosigkeit und Angst haben sich die Jünger versammelt . Ohne dieses Zusammenfinden in der Angst hätte es auch die erlöste Seite von Pfingsten nicht gegeben. Wer weiß, mit welchen Unsicherheiten und Sorgen viele nach Mariazell gekommen sind?Diese Eigenschaft zeichnete die Wallfahrer/-innen aus: dass sie sich auch im Hinnehmen des Unliebsamen stark zeigten, nicht gleich irgendwo oder bei irgendjemandem Schuldige suchten. Am Ende des Tages, wenn man wieder im Trockenen saß, war es für viele doch ein schönes, ein fruchtbares Ereignis. Eines, das in Erinnerung bleiben wird.
Pfingstliche „Begeisterung“ kennt eben nicht nur den Jubel, sie meint auch jene Bereiche des Lebens, in denen es Lasten zu tragen gilt. Beim Katholikentag in Mariazell haben die Gläubigen ein Zeugnis ihrer Belastbarkeit gegeben. In der Konsumwelt von heute ein Hoffnungszeichen. Da waren Menschen, auf die sich bauen lässt.