Die Auffassung des ganzen Lebens als Weg hat zu Recht eine lange Tradition. Mittlerweile ist der Satz „Der Weg ist das Ziel“ fast genauso beliebt geworden wie das Bildwort vom „Lebensweg“ selbst. Eine Wallfahrt kann ein geeignetes Mittel sein, einerseits den Wert jeder einzelnen Wegstrecke zu erfahren und andererseits zu erleben, dass das Ziel noch einmal etwas anderes ist.
Das Ziel der diesjährigen Fußwallfahrt der Katholischen Hochschuljugend Linz war die Mitfeier des großen Gottesdienstes in Mariazell. Der Weg, den sich unsere 16-köpfige Gruppe ausgesucht hatte, war die letzte Etappe des Weitwanderweges 06, der uns in drei Tagen von Lunz am See nach Mariazell führte. Am Christi-Himmelfahrts-Tag wanderten wir vom Lunzersee nach Lackenhof am Ötscher, wo wir unerwartet herzlich beim Maifest empfangen wurden und mit unseren Bergschuhen einen Walzer hinlegten. Unser erstes Quartier war das Ötscherhaus (1418 m). Wie auch an den folgenden Tagen hielten wir unterwegs eine Wegbetrachtung und beschlossen den Tag mit einem Abendgebet. Am Freitagmorgen ging es über die Feldwiesalm (1314 m) zum Terzerhaus auf die Gemeindealm (1626 m). Erstaunlicherweise stießen wir erst dort auf eine zweite Wallfahrergruppe aus Salzburg – unser Bergweg war sonst ziemlich menschenleer. Von der Hütte aus erblickten wir zum ersten Mal das Festgelände in St. Sebastian. Begleitet von unserem Hüttenwirt und dem Glockenklang aus Mariazell stiegen wir am Samstagmorgen bei regnerischem Wetter zum Erlaufsee ab, wo wir uns in die dichten Pilgerströme einordneten. Bei Erkundungen am Festgelände wurden uns die Dimensionen der Veranstaltung und die damit verbundenen organisatorischen Herausforderungen wirklich bewusst. Trotz unserer wetterfesten Wanderausrüstung beeinträchtigten Kälte und Regen ein intensives Mitfeiern des sorgfältig vorbereiteten großen Gottesdienstes. Allerdings beeindruckte uns die rege Beteiligung nicht-österreichischer Pilgergruppen. Die vielen zum Teil ungewohnten Sprachen, die unterschiedlichen Trachten und Fahnen brachten uns eine Ahnung vom Facettenreichtum der mitteleuropäischen Völker. Nach der Messe mussten zahlreiche Pilger ausgedehnte Fußmärsche zu den Busparkplätzen bewältigen. In unserem Fall waren es etwa 15 km bis zum Bus der Katholischen Aktion Linz, der uns dann nach Hause brachte. Wir nahmen die unerwartet lange „Zusatzetappe“ gelassen: Immerhin hatten wir uns ja eine FUSSwallfahrt vorgenommen.