Der von amnesty international nun vorgelegte Bericht zur Lage der Menschenrechte ist vernichtend. 2003, im zweiten Jahr des Krieges gegen den Terror, wurden die fundamentalsten Grundrechte der kleinen Leute weltweit mit Füßen getreten. Nicht erst seit Bekanntwerden der US-Folterknechte in Bagdad ist deutlich geworden, wie dramatisch der Wert menschlichen Lebens an der Börse für die nationale Sicherheit abgestürzt ist. Und nationale Brandherde wurden durch den Mantel des Schweigens angefacht. Denn verborgen vor den Augen der Welt, die medial auf den Irak gerichtet sind, haben Menschenrechtsverletzungen von Kolumbien über den Sudan bis Nepal zugenommen. Und auf die Suche nach Saddams Massenvernichtungswaffen fixiert, hat die Welt jene Gefahren aus den Augen verloren, die tagtäglich massenhaft Leben vernichten.
Walter Achleitner
Spielball Türkei
Journalistenkollegen aus den Nachbarländern sprachen mich beim Katholikentag wiederholt darauf an, was denn bei uns mit der Türkei los sei. Ihnen waren die Plakate aufgefallen, auf denen der FPÖ-Spitzenkandidat verkündet: „EU-Beitritt der Türkei – Mit mir nicht.“ Warum das im Wahlkampf jetzt so massiv gespielt wird, das fragten vergangene Woche auch Spitzenvertreter der evangelischen und orthodoxen Kirche. Denn schließlich stehe ein Beitritt der Türkei derzeit überhaupt nicht zur Debatte. Und warum sollte man für mögliche Verhandlungen vorzeitig die Tür zuwerfen? Für die FPÖ spielen diese Überlegungen keine Rolle, weil die Türkei nur eine andere Spielart ihres ausländerfeindlichen Populismus darstellt. Um berechtigte Fragen und Einwände geht es da gar nicht.