Im Turnsaal haben sich die Schüler und Schülerinnen der a-, b- und c-Klassen der Hauptschule Taiskirchen zu einem großen ABC für das Foto gruppiert. Wenn viele auf der Welt doch dieses ABC des Helfens lesen und verstehen würden, sähe es besser aus.
Sie heißt Binette und könnte von ihrem Alter her in der 2a der Hauptschule Taiskirchen sitzen.
Binette ist schwarz und lebt im Senegal. Alle in der 2a der HS Taiskirchen kennen das Mädchen. Binette ist ihr Patenkind. Vor zwei Jahren, erinnert sich Christiane Angleitner aus der 2b, war Gudrun Hagen in Taiskirchen und hat über das Leben der Kinder und Jugendlichen im Senegal erzählt. Da spürten die Schülerinnen und Schüler, welches Glück man hat, überhaupt zur Schule gehen zu können. Die meisten im Senegal können das nicht – es sei denn, jemand hilft. Die Schule ist die Voraussetzung für einen späteren Beruf. Sie haben es nicht so leicht wie David in Taiskirchen, der später eine Computer-Schule besuchen möchte.
Jede Klasse hat die Patenschaft für ein Kind übernommen. Diatta Monique heißt das Patenkind der c-Klasse, Issa Sane das der 2b. Die Lehrkräfte wollten nicht nachstehen. Sie ermöglichen Animata Camare den Schulbesuch. Jede/r der 65 Schülerinnen und Schüler spendet monatlich 50 Cent vom Taschengeld. „Wir verkraften das leicht“, sagen sie, vor allem wenn sie bedenken, wie viel dieses Geld dort bedeutet und wie wenig man bei uns dafür bekäme. Manche Kinder wohnen weit weg von der Schule und brauchen eine Schlafstelle. Auch das ist durch die Spenden aus Taiskirchen gedeckt.
Im Vorjahr haben die Schüler/innen zwei Flohmärkte organisiert, um Geld für ihr Projekt aufzutreiben. Die ganze Hauptschulzeit, also vier Jahre, wollen sie die Patenschaft weiterführen. Einige Schülerinnen lernen mit besonderem Eifer Französisch, damit sie mit ihren „Patenkindern“ selber kommunizieren können. Als vor den Sommerferien der erste Brief aus dem Senegal eintraf, war das eine besondere Freude. Der Brief war an die Initiatorin des Projektes, die inzwischen pensionierte Fachlehrerin „Herrn Antonia Sellinger“, gerichtet. Dass in Österreich eine Frau wirklich so viel Geld haben könnte, dass sie auch noch spenden kann, war im Senegal unvorstellbar. Viele der Schüler/innen werden demnächst gefirmt. Im Zuge der Vorbereitung haben sie das Projekt in der Kirche vorgestellt. Vielleicht finden sich Leute, die auch eine Patenschaft übernehmen können, hoffen sie.Was mit Afrika und mit den Fragen der Gerechtigkeit auf der Welt zusammenhängt, nehmen die jungen Menschen jetzt mit besonderer Aufmerksamkeit wahr. „Wenn mein Papa Zeitung liest und es steht etwas zum Thema drin, schreit er mir schon, dass ich es auch lese“, erzählt einer der Buben. Das Solidaritäts-Preisgeld von 1.611 Euro möchten die Schüler/innen ebenfalls im Rahmen des Projektes – oder auch eines neuen Projektes verwenden. Das Schicksal von Mädchen im Sudan, die traditionell beschnitten werden, berührt sie.Vielleicht werden sie da helfen. Selbst wollen sie sich nur eine Kleinigkeit vergönnen. Zu denken gab ihnen, dass ihnen gar nicht so schnell eine Kleinigkeit einfiel, mit der man bei uns Freude haben kann.