Mit über 30 Prozent ist der Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen in Österreich einer der höchsten in der EU. Weil es zu wenig Kinderbetreuungsplätze gebe, würden viele Frauen in schlecht bezahlte Teilzeitjobs getrieben, kritisiert die EU-Kommission. Die Sache ist ernst, aber die Brüsseler Ursachenforschung greift zu kurz. Vielleicht wollen es viele Eltern gar nicht, dass ihre Kinder bis zu zehn Stunden im Hort oder Kindergarten verbringen. Wenn sie ihre Kinder aber wenigstens teilweise selber betreuen wollen, dann trifft das meist die Frauen, weil in den typischen Frauenberufen die Einkommen immer noch geringer sind – warum eigentlich?! – und weil wir kein einkommensabhängiges Kindergeld haben. Dadurch wird die Väterkarenz erschwert. Ohne bessere Rahmenbedingungen, die eine partnerschaftlichere Aufteilung von Erwerbs- und Familienarbeit ermöglichen, werden die Frauen weiter hinten anstehen.
Hans Baumgartner
Grenzen verwischt
Die Gesundheitsversorgung Afghanistans wird zum Großteil von internationalen Hilfsorganisationen getragen. Unerklärlich ist deshalb, warum dort vergangene Woche fünf Mitarbeiter/-innen von „Ärzte ohne Grenzen“ hinterrücks ermordet wurden. Wo doch das Kürzel „msf“ seit 25 Jahren am Hindukusch als Gütesiegel für humanitäre Hilfe gilt. Seit jedoch US-Flugzeuge im Oktober 2001 neben Bomben auch Lebensmittelpakete abgeworfen haben, sind klare Grenzen verwischt. Erst im Mai wurde auf Flugzetteln dazu aufgerufen, mit der Streitmacht zu kollaborieren, sonst sei jede weitere Hilfe gefährdet. Humanitäre Hilfe wird so missbraucht. Und die oft in Zivil gekleideten Soldaten machen absichtslose Helfer zur Zielscheibe.