Andere pilgern nach Santiago oder Mariazell. Alois Sattleder wählte die eigenen Lebensspuren für eine Wallfahrt.
13 Adressen hatte er im Leben, auf 13 Arbeitsstellen hat er sein und der Seinen Brot verdient. In Vöcklabruck kennt man den ehemaligen Stadtrat Alois Sattleder als sozial engagierte Menschen, der sich für Menschen in Not einsetzt. Zu Fuß die wesentlichen Orte seines Lebens noch einmal nachzugehen, wollte der verheiratete Vater dreier Kinder schon lange. Zur Pensionierung hat er es sich gegönnt. Am Freitag vor Pfingsten ist er von seinem dreiwöchigen Pilgerweg wieder daheim angekommen.
In der ehemaligen Klinik in Wels begann die dreiwöchige Walz. Als er 1943 dort auf die Welt kam, hat man die Neugeborenen immer wieder in den Luftschutzkeller tragen müssen. So hat man es Alois später erzählt. Nach der Geburt führte der Weg – diesmal zu Fuß – heim nach Wartberg an der Krems. Das „Langederhäusl“ steht längst nicht mehr. Es war eines der ärmsten Häuser. „1951 hatten wir noch keinen Strom“, erzählt Sattleder. Hier wollte er seine Runde als Kirchenblattausträger noch einmal gehen. 23 Zeitungen hat er als Bub Samstag für Samstag ausgetragen. Auf seiner „Fußwallfahrt“ hat er fünf Häuser geschafft. Jugendfreunde von einst nach 40 Jahren wieder zu treffen, das war stark. Drei Tage hat sich Alois in seinem Heimatort gegönnt. Der Weg führte ihn nach Neuhofen, wo er Landmaschinenschlosser war. Über Traun wanderte der Jungpensionist schließlich nach Linz. An drei Orten hat er hier gewohnt. Alle diese Orte hat er wieder aufgesucht. Besonders gastlich wurde Alois Sattleder von den jetzigen Bewohnern am Grundbachweg aufgenommen, die er nie zuvor gesehen hatte. In Linz führte der Weg auch ins Diözesanhaus. Sattleder war in den sechziger Jahren Sekretär der Katholischen Jugend Land.
Der Fußweg wurde zu einer Meditation des eigenen Lebens. Zu Fuß kann man sich auch schlecht davonlaufen. Die Wiedersehensfreude, die sein unerwarteter Besuch oft ausgelöst hat, hat Sattleder tief berührt.
Schließlich erreichte der Wanderer Eferding. Hier hat er Cäcilie geheiratet – und natürlich ging er in die Hochzeitskirche, obwohl sich sein Verhältnis zur Institution Kirche im Lauf der Jahrzehnte doch eher abgekühlt hat. Ein „christlicher Lebensstil“ ist ihm dennoch wichtig geblieben. Bei den kritischen Christen, da fühlt er sich nach wie vor wohl. In Eferding hat er bei einer großen Möbelfirma als Arbeitsvorbereiter gearbeitet.
Schöne Augenblicke, Erinnerungen. So viel Wiedersehensfreude, dort und da auch Mitwisser geworden zu sein von einem Leid, das jemand getroffen hat. Alois Sattleder weiß von seiner „Ehrenrunde“ nach dem Sechziger viel zu erzählen.