Bartholomaios I. ist der erste Ökumenische Patriarch, der als offizieller Gast der Republik Österreich besucht.
Umfangreich ist das Programm, das „Seine Allheiligkeit“ zwischen 16. und 22. Juni in Österreich erwartet. Zum ersten Mal besucht das Ehrenoberhaupt von rund 300 Millionen orthodoxen Christen die Metropolis von Austria. Diese zählt bundesweit 18.000 Mitglieder, die nun ein Doppeljubiläum in Wien feiern: 200. Jahrestag der Grundsteinlegung ihrer Georgskirche und 200 Jahre griechische Schule. Der Besuch des 270. Nachfolgers des Apostels Andreas belegt auch die guten ökumenischen Kontakte hierzulande. „Pro Oriente“ rückt das schicksalhafte Jahr 1204 in den Mittelpunkt: als Kreuzfahrer Konstantinopel zerstörten. Erst am 13. April, dem 800. Jahrestag, hatte der Patriarch von Konstantinopel, das seit 1453 Istanbul heißt, die Vergebungsbitte des Papstes formal angenommen. Und dem Kirchenrechtsexperten, der 1969 in Rom an der päpstlichen Gregoriana promovierte, wird in Wien der Ehrendoktor der Rechtswissenschaften verliehen. Mit einem zweiten Dr. h. c., in Theologie, wird ihn Graz ehren. Mehrere orthodoxe Absolventen der Fakultät berief Bartholomaios zuletzt in hohe kirchliche Positionen.
Die Dialogbereitschaft, die sein Patriarchat seit der Wahl am 22. Oktober 1991 auszeichnet, könnte helfen, eine weitere ost-westliche Brücke in Österreich zu bauen: Demetrios Archontonis wurde am 29. Februar 1940 auf der türkischen Ägäis-Insel Imbros geboren. Und als türkischer Staatsbürger, bislang Bedingung für die Wahl zum Patriarchen, ist er Botschafter einer christlichen Minderheit für den EU-Beitritt des mehrheitlich muslimischen Landes.