Rosemarie Kurka begleitet seit 15 Jahren pflegende Angehörige. Die Solidaritätspreisträgerin erzählt, wie es dazu kam und wie es ihr damit ging.
Reden. Jemandem zum Reden haben darüber, wie es einem wirklich geht, wenn man rund um die Uhr gefordert ist, weil jemand da ist, der ohne ständige Betreuung nicht leben kann. Pflegende Angehörige trifft man selten. Sie können kaum weg von zu Hause. Wenn doch, reden sie nicht leicht über das, was sie bewegt. Meist sind es Frauen, die die Betreuungslast trifft, oder von denen man sie wie selbstverständlich erwartet. Die Ehefrau, eine Tochter. Die junge Bäuerin. Am Montag, 14. Juni, wurde im Haus der Frau in Linz ein schlichtes Jubiläum gefeiert. Die „Gesprächsgruppe pflegende Angehörige“ feierte ihr 15-jähriges Bestehen. Seit 15 Jahren endlich eine Zeit und ein Ort, wo man sich nicht mehr so allein mit der ganzen Last vorkommt. Rosemarie Kurka war damals bei der Caritas beschäftigt. Wie es Pflegenden geht, hat sie selbst erlebt, als sie ihre Mutter zu sich genommen hatte; all die Ängste, die Belastungen, auch die Schuldgefühle, wenn man meinte, nicht genug getan zu haben. Rosemarie Kurka wusste von diesen Dingen, als sie mit Dr. Margit Scholta 1986 überlegte, wie man Pflegenden wirklich helfen könnte. Erste Versuche gab es damals. Einige Pfarren suchten Partner in Stadt und Land und stellten mobile Pfleger/innen an. Aber das konnten sich viele Pfarren nicht leisten. Also kam die Idee der Gesprächsgruppe. Eine Tankstelle für Pflegende also, an der sie sich stärken können. Manche haben hier den Mut gefasst, ein paar Tage wegzufahren und die zu Pflegenden in dieser Zeit einer Kurzzeitpflege anzuvertrauen. Das ist nicht leicht, hilft aber letztlich allen Beteiligten. Manche haben lange Pflegejahre bitter gemacht – und hier finden sie Gehör. Bei anderen hat sich etwas gelöst. Seit 15 Jahren ist im Haus der Frau jetzt jeden zweiten Montag im Monat zwischen 18.30 Uhr und 20.30 Uhr reserviert. Eine der Frauen, die kommen, tut dies seit Anfang an. Und Rosemarie Kurka ist auch dabei. Als sie 1996 in Pension ging, wurde für den Bereich Pflegende Angehörige eine eigene Stelle geschaffen, unterstützt von der Sozialabteilung des Landes. Ein Traum für Rosemarie Kurka! Die Gesprächsgruppe im Haus der Frau führt sie als Pensionistin weiter – ehrenamtlich eben. „Die Betroffenheit hat mich nie verlassen“, erzählt sie, „denn ich kenne niemanden in meinem Alter, der nicht in irgendeiner Weise von diesem Problem betroffen wäre.“ Am 15. Mai 2004 hat Rosemarie Kurka einen Solidaritätspreis der Kirchenzeitung überreicht bekommen. „Berufliches und privates, persönliches Engagement finden in einer Person zusammen“, würdigte Herausgeber Wilhelm Vieböck einen Aspekt des Wirkens der Pionierin für pflegende Angehörige. In ihrer eigenen Umgebung, am Harter Plateau, engagiert sie sich für die alten Menschen im Seniorenheim. Einmal wöchentlich gibt es einen Gottesdienst – und auch da kam sie immer wieder mit den Angehörigen zusammen. So hat sie auch dort eine Gesprächsgrupe angefangen. „Solange ich kann, tue ich so weiter“, erzählt sie. Rosemarie Kurka denkt nach über die Zukunft – wie es werden wird, wenn für die Pflege im Familienkreis nur mehr die „Einzelkinder“ infrage kommen. Da wird es oft niemanden mehr geben.
Es ist auch mein Leben
Zur Sache
Vera Francz hat elf berührende Lebenszeugnisse pflegender Angehöriger niedergeschrieben. So geht es Betroffenen, deren Leben eine oft dramatische Wendung genommen hat. Wie können die Pflegenden selbst wieder Kraft finden? Wie hilft man ihnen?
Vera Francz. Es ist auch mein Leben. 152 Seiten, Euro 12,–. Bestellungen an: Kirchenzeitung, Tel 0732/76 10-39 44, Fax 0732/76 10-39 39.