Das christliche Fundament Europas wurde im Zuge der Erweiterung der Europäischen Union und zuletzt im Rahmen der EU-Verfassungsdebatte viel beschworen. Ohne dieses Fundament, hieß es, wäre Europa nicht zu begreifen. Jeder Christ wird zugeben: Es sind dieselben Werte, die auch für Asien, Amerika, Afrika gelten. Jesus ist nicht nur für Europa Mensch geworden.
Woraus besteht ein christliches Fundament? Aus Wahrheiten? Ist es eine Lehre? Es gab Zeiten, da wurde die Lehre über alles wichtig genommen, und man verfolgte einander um der richtigen Lehre willen. Ein christliches Fundament meint mehr. Wie sich Menschen zueinander verhalten – und ob das der von Christus gelebten Liebe entspricht. Ob das christliche Fundament tragfähig bleibt, wird so nicht in Rom und nicht in Brüssel entschieden und schon gar nicht in Wahlkampfzeiten, sondern von den vielen Menschen – wie sie ihr Leben leben und ob man sich auf sie verlassen kann. Wie sie mit Hungernden umgehen. Wie sie mit Fremden verfahren.
In diesen Tagen werden Priester geweiht. Sie tragen die Sorge dafür, dass das Gotteswort ankommt – nicht nur für einen kurzweiligen oder interessanten Meinungsaustausch, sondern indem sie das Wort Gottes im eigenen Leben zur Übersetzung bringen. Die Welt lebt nicht nur von guten und schlechten Nachrichten, die man per Knopfdruck empfängt, nicht von Worten, die schon am nächsten Tag ihre Aktualität verloren haben. Die Welt lebt vom Trösten und Segnen. Die Welt braucht Verkündiger.