Wieviel hat deine? Vom Speichervermögen der Festplatte ist häufig die Rede – oder von jenem der Digitalkamera. Vieles vertrauen Menschen statt ihrer Erinnerung den kleinen Dingern mit dem großen Speichervermögen an. Adressen, Bilder, Lexika. Hauptsache viel hat Platz – auf das Was kommt es oft nur zweitens an.
Speicherkapazitäten auszuweiten – damit beschäftigt sich die Elite der Forschung. Schneller soll die Sache laufen, noch mehr an Daten soll Platz haben auf den geheimnisvollen Chips, die jeder verwendet und kaum wer versteht. Ihre Erfindung kommt der Entdeckung einer „neuen Welt“ gleich, von deren Existenz manche zwar eine Vermutung, aber nie einen Beweis gehabt haben. Doch all die gigantischen Speicherkapazitäten können nicht darüber hinwegtäuschen: Es ist eben nicht mehr der Geschäftspartner, der zum Geburtstag gratuliert hat. Ein Programmierer hat das mit der vorgetäuschten Höflichkeit so angelegt.
In dieser Welt mit den tollen neuen Möglichkeiten taucht drängender die Frage auf: Haben sich auch die Speicherkapazitäten des eigenen Herzens erweitert? Es genügt nicht, dass Daten auf wer weiß welchem Speicher abgelegt sind, sondern dass sie bei jemandem aufgehoben sind. Nicht ob etwas an mich „denkt“, sondern ob jemand an mich gedacht hat, macht glücklich. Die Welt lebt nicht von Daten, sondern von Taten, zumal den guten. Darauf die Hauptkraft zu verwenden, ist dringend, sonst ziehen dunkle Wolken über dem schönen digitalen Sternenhimmel auf.