Ausgabe: 2004/37, Romeros, Mörder, Erzbischof, Gericht, Gewalt, Terror, Westen
08.09.2004
- Kirchenzeitung der Diözese Linz
Romeros Mörder
Vielen in El Salvador – dem Land des Erlösers – brachte der vergangene Freitag eine Erlösung. Erstmals hat ein Gericht darüber geurteilt, wer verantwortlich ist für die Ermordung des Bischofs der Armen, Oscar Arnulfo Romero. In Fresno (Kalifornien/USA) sah es ein Gericht als erwiesen an, dass Alvaro Saravia für den Mord am Altar vom 24. März 1980 Verantwortung trägt. Der Ex-Hauptmann der salvadorianischen Armee, der in den USA inzwischen untergetaucht ist, wurde zur Zahlung von zehn Millionen Dollar verurteilt. Der Gerichtsentscheid ist auch deshalb ein Lichtblick, weil in El Salvador ein derartiges Verfahren unvorstellbar ist. Denn Saravias Hintermänner sind bis heute einflussreich und klammern sich an den Mantel des Schweigens.
Walter Achleitner
Früchte der Gewalt
Wer diese Bilder gesehen hat, wird sie so schnell nicht wieder vergessen. Weinende Väter und Mütter, die ihre toten Kinder im Arm hielten. Verzweifelte Eltern, die auch zwei Tage nach dem blutigen Ende des Terroranschlags auf die Schule von Beslan nach ihren Kindern suchten. Infame Terroristen haben mit diesem Anschlag auf völlig unschuldige Kinder, Eltern und Lehrer das erreicht, was sie vermutlich wollten, die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit. Ihre Tat ist mit nichts zu rechtfertigen und was in ihren Köpfen vorging, kann wohl kein normaler Mensch nachvollziehen. Und doch schlug dieser Terrorakt nicht wie ein Blitz aus heiterem Himmel ein. Lange schon wüten über Tschetschenien und anderen Ländern des Kaukasus heftige Gewitter, deren Donnergrollen bis zu uns reicht (Flüchtlingswelle). Doch die demokratische Welt schweigt. Russlands Öl ist ihr näher.