Ausgabe: 2004/38, Leitartikel, Sand, Meinung, Glaube, Rom
14.09.2004
- Kirchenzeitung der Diözese Linz
Wer Gott, dem Allerhöchsten traut, der hat auf keinen Sand gebaut.“ So endet die erste Strophe eines von Johann Sebastian Bach vertonten Kirchenliedes. Im ersten Teil der Strophe wird genannt, wo fester Grund zu erwarten ist: „Wer nur den lieben Gott lässt walten“, darf hoffen, dass dieser Grund nicht eines Tages unter den Füßen zerrinnt.
Das Walten Gottes und das Walten derer, die das Vertrauen auf Gott wach halten sollen, sind oft nicht recht in Einklang zu bringen. Nicht nur die Kirche der Diözese St. Pölten hat zuletzt bitter erfahren müssen, wieviel auf sandigem Grund ins Schwimmen gekommen ist. Viele, deren Kirchlichkeit und Glaube in den Sandschichten menschlicher Unzuänglichkeiten stecken geblieben ist, haben sich verunsichern lassen. Hohe Kirchenaustrittszahlen haben zuletzt deutlich gemacht, wie stark die Verunsicherung von Menschen geworden ist . Dass Rom nun für St. Pölten bessere Bedingungen schaffen will, ist nur zu begrüßen.
Wo sich Glaube freilich abhängig macht von der Glaubwürdigkeit menschlicher Repräsentanten, und seien es auch Bischöfe, bleibt er anfällig. Gute Autoritäten sind nicht der Grund, schlechte nicht das Hindernis des Glaubens. Menschen sind füreinander stets immer nur Helfer zum Glauben. Der Gehorsam der Christen gilt Christus selbst. Wenn er auch den Autoritäten der Kirche gilt, so in gleicher Weise denen, die unter den Bedürftigen und Armen zu finden sind. Der Glaube befreit zur Wachsamkeit für die Armen. Sie – nicht die Kirche selbst – sind Hauptthema der Kirche.