Ausgabe: 2004/38, Priester, Biotope, Symposion, Priesterberufung, Politik
15.09.2004
- Josef Wallner
Warum kommen aus manchen Pfarren besonders viele Priester? – Der Politikwissenschaftler Andreas Maislinger geht in einer Tagung der Frage von „Priester-Mistbeeten“ nach.
In der Diözese Linz konnte Maislinger bisher die Pfarren Gampern, Dorf an der Pram, Vorderweißenbach, Hartkirchen, Peuerbach und Windhaag bei Perg als Orte ausmachen, aus denen überdurchschnittlich viele Priester stammen. Als Kriterium für diese Einstufung hat der Wissenschaftler folgenden Zahlenschlüssel definiert: Pro 500 Katholiken einer Gemeinde müsse es mindestens einen lebenden Priester geben. Und im 20. Jahrhundert müssten zehn Priester aus der Pfarre hervorgegangen sein. Die Frage des Priestermangels ist seit Jahren in der katholischen Kirche ein Dauerbrenner, so Maislinger: Er möchte das Thema aber nicht unter dem Aspekt von Krise, sondern im Blick auf gelungene Wege abhandeln. Dazu veranstaltet er in seiner Heimat St. Georgen bei Salzburg – selbst ein Priester-Biotop – das 2. Georg- Rendl-Symposion unter dem Thema: „Priester-Mistbeete. Priesterberufungen im deutschen Sprachraum“. Namensgeber der Veranstaltung ist der Dichter, Maler und Bienenzüchter Georg Rendl, der in St. Georgen gelebt hat. Rendl (1903 bis 1972) überlegte Priester zu werden und hat seine Erfahrungen in dem Roman „Der Berufene“ verarbeitet.
Beim Symposion kommen Priester aus „Biotop-Pfarren“ zu Wort. Der bekannteste ist der Salzburger Erzbischof Dr. Alois Kothgasser aus St. Stefan in der Obersteiermark. Mit zwölf lebenden Priester gehört diese Gemeinde zu Österreichs „Spitzenreitern“.
Die historische Dimension von Berufung wird Dr. Thomas Aigner aufzeigen. Der Direktor des Diözesanarchivs St. Pölten erörtert, was in den geschichtlichen Epochen seit 1550 unter Priestermangel verstanden wurde. Mit der Suche nach Priester-Biotopen hat Maislinger Neuland betreten. Noch nie hat sich jemand die Mühe gemacht die existierenden Erfolgsmodelle systematisch aufzuarbeiten. Maislinger nennt zwei Resultate seiner Recherchen. In den Pfarren mit vielen Priesterberufungen herrscht eine Atmosphäre lebendigen Glaubens und ist auch das Beispiel markanter Priesterpersönlichkeiten maßgebend. Georg-Rendl-Symposion „Priester-Mistbeete“ von 7. bis 10. Oktober 2004 in St. Georgen bei Salzburg. Informationen unter: www.maislinger.net/Rendl/index.html