Bild: Univ.Prof. P. Abdo Badwi im Atelier seines Universitäts-Institutes in Beirut vor zwei Tafelbildern und einer Stola, die er entworfen hat. Badwi gehört der maronitischen Kirche an, die mit der römsich-katholischen Kirche in Einheit lebt.
Wie jeden Solidaritätspreisträger wollte die Kirchenzeitung auch Prof Hans Hollerweger vorstellen. Doch er wehrte ab: „Macht lieber auf unsere nächste Aktion aufmerksam – auf die Ikonen-Ausstellung”.
Diese Reaktion ist typisch für Prof. Hollerweger. Nicht er möchte im Mittelpunkt stehen, sondern das Anliegen ist ihm wichtig: die Christen im Orient. Seit er 1986 die Dörfer der syrisch-orthodoxen Christen in der Osttürkei besuchte, lässt ihn die Sorge für die christlichen Gemeinschaften im Nahen Osten nicht mehr los. Nach der Gruppe „Freunde des tur Abdins” ist nun der von ihm initiierte Verein „Initiative Christliche Orient” die Plattform für eine Vielzahl von Hilfsaktionen. Der Aufruf „An jedem Christbaum ein Stern aus Bethlehem” machte die Initiative in der gesamten Kirche Österreichs bekannt.
Die Beziehung der Christen im Orient darf keine Einbahnstraße bleiben, mahnt Hollerweger nachdrücklich: „Entscheidend ist, dass es zum Dialog kommt, zum Austausch. Wir können einander sehr bereichern”. Die Ikonenausstellung ist ein konkretes Beispiel des gegenseitigen Gebens und Nehmens. Der Mönch und Künstler P. Abdo Badwi aus dem Libanon zeigt in Linz vierzig seiner Ikonen.
Der Professor für Kunstgeschichte an Kaslik Universität von Beirut gilt in seiner Heimat als Pionier der kirchlichen Kunst. Mit seinen Forschungen, vor allem aber in seinen Kunstwerken greift er auf die kulturellen Wurzeln des syrisch-, libanesischen und südosttürkischen Raums zurück. Durch den Einfluss des Islams und des Westens geriet die eigene Bildtradition in Vergessenheit. Abdo Badwis Verdienst ist es, sie wieder freigelegt zu zu haben. Seit er als 32-jähriger 1980 seinen ersten Auftrag in einer Kirche bekam, hat er in einer großen Zahl von libanesischen Gotteshäusern gearbeitet: Fenster, Fresken, Mosaiken. So macht er die Christen in seinem Land mit ihrer eigenen, ursprünglichen Kultur vertraut. Badwis Werke finden sich auch in Kirchen Israels, Brasiliens, Syriens, Ägyptens und der USA. Darüber hinaus wurde er mit seinen Bildern zu Ausstellungen in die USA und nach Kanada geholt.
In Linz zeigt er vierzig Ikonen (technisch hochwertige Kopien). Die Besucher/innen der Schau erhalten damit Einblick in den spirituellen und kulturellen Reichtum der Kirchen syrischer Tradition.
Ausstellung – Kulturprogramm
Christen im Libanon
Eröffnung der Ikonenausstellung mit dem Künstler P. Abdo Badwi und Bischof Maximilian Aichern: 30. September 2004 um 19.30 Uhr in der Krypta der Karmeliten/Linz -Landstraße 33; Öffnungszeiten bis 7. Oktober 2004 täglich: an Wochentagen von 10 bis 12 und 14 bis 17.45 Uhr, Am Sonntag: 10 bis 12 Uhr; täglich Führungen um 11 und um 17 UhrLibanesisches Fest mit einer libanesichen Tanzgruppe und libanesischen Köstlichkeiten: 2. Oktober 2004, 15 bis 17 Uhr in der Karmeliten-Krypta
Konzert des Kaslik-Universitätschores aus Beirut: kirchliche Gesänge und Volkslieder aus dem Libanon: 7. Oktober 2004, 19.30 Uhr in der Karmeliten-Krypta.