Selbstdarsteller sind sie � und das im besten Sinne des Wortes. Jene 17 Frauen und Männer, die sich am Abend des kommenden Sonntags auch ganz feierlich in den Dienst der Kirche stellen werden. In kaum einem Beruf kommt die Person selbst so zum Tragen, wie das gerade bei Seelsorgern der Fall ist � und mehr als in anderen Berufen erwarten die Menschen, dass das, was der Mund des Seelsorgers spricht, mit dem zusammenstimmt, wie er lebt.
Seelsorger und Seelsorgerinnen können sich nicht einfach hinter ihren Aufgaben verstecken. Sie predigen nicht eine von ihrer eigenen Person losgelöste Wahrheit, wie dies der Physiker oder Mathematiker tun kann. Sie sprechen von dem, was sie selbst erlebt haben, woran sie glauben. Was sie anzubieten haben, lässt sich nicht im Versandhaus bestellen oder aus einem Automaten beziehen. In Glaubensdingen geht es um Glaubwürdigkeit von Menschen.
Ein sehr hoher Anspruch ist das. Und umso größer ist der Schaden, wenn Botschaft und Leben auseinander klaffen. Gerade weil es um grundsätzliche Fragen des Lebens geht, ist der Schaden groß, wenn Vertauen von Menschen durch ein schlechtes Lebenszeugnis erschüttert wird.
Seelsorger/-innen stehen mit ihrer Aufgabe nicht allein, sie werden damit aber oft allein gelassen. Hinter manchem Scheitern steht eine lange Geschichte der Einsamkeit. Aber auch umgekehrt. So mancher Seelsorger hat in seiner Gemeinde einen Begleiter gefunden, der ihn reifen ließ.