Die Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek hat mit ihrer Kunst die Gemüter erregt. Vor 30 Jahren. Heute. Betroffenheit lösten ihre Werke bei den einen aus. Aufgeregtheit und eine Hetzjagd, die ins Persönliche abglitt, bei anderen. Unbestritten ist ihre Fähigkeit, mit Sprache zu arbeiten, zu komponieren. Sie legt den Finger in Wunden der Gesellschaft – und dafür möchten ihr so manche den Finger abhacken. Ihre Themen sind am Puls der Zeit oder dieser um Jahre voraus. Sie verhindert das, was wir so gerne tun: dass die Sachen, die wir unter den Teppich gekehrt haben, dort bleiben. Jelinek spielt bei der großen Österreich-Harmonisierung nicht mit. Schonungslos deckt sie Machtstrukturen in Kirche und Staat auf. Sie verweigert sich den Medien. Wer kann sich das heute noch leisten? Wer, wenn nicht eine Nobelpreisträgerin.
Elisabeth Leitner
Geschürte Ängste
Mit Susilo Bambang Yudhoyono steht ab 20. Oktober wieder ein Ex-General an Indonesiens Staatsspitze. Dass nach der entschlusslosen Megawati Sukarnoputri die Militärclique zurückkehren würde, überrascht kaum. Dass vergangene Woche Hidayat Nur Wahid zum Präsidenten der Volksversammlung aufgestiegen ist, wirft aber ein neues Licht auf den größten Muslim-Staat. Auf populistische Art hat der Intellektuelle der Korruption den Kampf angesagt. Dahinter verbirgt sich der islamistische Kurs, die Scharia einzuführen – entgegen der Verfassung von 1945. In dem Land, in dem Religion schon öfters als Zündschnur für Konflikte missbraucht wurde, verfolgen Christen mit Sorge, dass ausgerechnet Nur Wahid nun an der Spitze der verfassungsgebenden Versammlung steht.