Alternativ-Nobelpreisträgerin vielleicht – aber gleich ein „echter“ Nobelpreis für Elfriede Jelinek, diese sperrige Frauenperson, die mit ihren Stücken den Harmoniebedürftigen die Haare zu Berge stehen ließ? Im allgemeinen nährt sich der Ruf der Literaten ja eher von dem, was über sie geschrieben wird als von dem, was sie selber geschrieben haben. Offensichtlich kannte man „die Jelinek“ auch anderenorts, wo man eher die Jelinek selber gelesen hat und weniger das kannte, was über sie geschrieben wurde. Der Preis für die unbequeme Schriftstellerin bedeutet für Österreich ein Geschenk – und eine Chance. Das ist nämlich die Erfahrung: Kritiker und Kritikerinnen einfach nur abzulehen, sie nicht zur Kenntnis zu nehmen, das tut nicht gut. Ein neuer, besserer und fruchtbarerer Umgang mit diesen unbequemen Levitenlesern und -leserinnen täte da gut. Sie prägen das Bild eines Landes genau so mit wie staatstragende Damen und Herren, wie Honoratioren der Gesellschaft, wie Sängerknaben und Philharmoniker. Man braucht Jelinek nicht gleich zur Kirchenlehrerin hochstilisieren. Doch etwas vom Jelinek-Effekt täte auch der Kirche gut: Dass man die Unbequemen wenn schon nicht lieben, so doch wertschätzen soll. Diese Unbequemen, die einfach nicht aufhören von dem zu reden, was ihnen am Herzen liegt und die damit gehörig auf die Nerven gehen, sie sind für die Kirche genauso wichtig wie Bischöfe oder Kommunionausteiler. Katholisch meint wörtlich „alle umfassend“.