Die ausufernde Gewalt in Brasiliens Großstädten gilt als traurige Entwicklung, der die Politik scheinbar hilflos gegenüber steht. Dass die Hemmschwelle, zur Pistole zu greifen, auch auf dem Land immer geringer wird, musste P. Ludwig Laaber aus St. Peter in der Au am eigenen Leib erfahren. Und obwohl der Täter und dessen Aufenthaltsort bekannt waren, blieb die Polizei untätig – trotz des vorliegenden Haftbefehls. Dass er nun, drei Monate später, in einer 100 Kilometer entfernten Stadt verhaftet wurde, ist nicht nur einem umsichtigen Polizisten zu verdanken, sondern auch den geschlagenen Gemeinderatswahlen. Das aber war erst möglich durch ein Fahndungsfoto, das jene Diözese bezahlt hatte, in der Laaber lebt. Es zeigt, wie letztlich machtlos Bürger/-innen sind angesichts einer Straflosigkeit, die „Willkür“ heißt.
Walter Achleitner
Falsch und richtig
Vergangene Woche legte der Finanzminister dem Parlament sein Budget vor. Was in den Jahren 2001 und 2002 noch als „Gebot der Stunde“ getrommelt wurde, ist jetzt auf einmal ganz anders. „Bewusst“ mache er jetzt ein Defizit, verkündet Grasser, damit mit einer Steuersenkung und einem Investitionsprogramm der Wirtschaftsaufschwung gestärkt werde. Nicht erklärt hat uns Grasser, warum jetzt richtig ist, was damals falsch war: das Eingreifen des Staates zugunsten der stotternden Wirtschaft und des hinkenden Arbeitsmarktes. Man hat damals die schwierige Lage noch verschärft, in dem man die Überschüsse aus der Arbeitslosenversicherung nicht für aktive Maßnahmen, sondern zum Löcherstopfen verwendet hat. Heute haben wir ein Budgetdefizit und eine hohe Arbeitslosenrate.