Mit einem stimmungsvollen Wortgottesdienst im Freien begann die Eucharistiefeier der Pastoralräte am 12. November im Bildungshaus Puchberg. Es ging um das Loslassen von Erwartungen und Gewohnheiten, um dem Geist Gottes Raum zu geben für die künftige Gestalt der Kirche.
Weniger Priester, weniger Geld! Die Situation in den Diözesen Westeuropas scheint überall dramatisch. Nicht vom Frust über diesen Rückgang bei Personal und Mitteln will sich jetzt die Diözese Linz leiten lassen. Sie will die Seelsorge unter den veränderten Bedingungen neu gestalten. Bei der Vollversammlung des Pastoralrates der Diözese Linz wurde am Samstag, 13. November ein wichtiger Schritt gesetzt. Einstimmig haben die Delegierten den neuen Personalplan der Diözese Linz für die Jahre 2005 bis 2010 gutgeheißen. Große Bedeutung wird der „mittleren Ebene“ der Dekanate und Seelsorgeräume beigemessen. Der Einsatz des zur Verfügung stehenden Personals und die Arbeit der Ehrenamtlichen soll überregional bestmöglich vernetzt werden. Nicht von einem Gefühl der einstürzenden Mauern, sondern vom Aufbau einer neuen Struktur will man sich leiten lassen. „Wir wollen der Realität ins Auge schauen“, wurde im Pastoralrat betont, „und auch die Chancen in der Krise sehen.“
Wie Kirche ihre Kraft behält
Einstimmmig. So lautete das Abstimmungsergebnis im Pastoralrat zu Personalplan für die Pfarrseelsorge im Blick auf das Jahr 2010.
Fünf Priester wirken zur Zeit in den sechs Pfarren des Seelsorgeraumes Altenfelden. Im Jahr 2010 sind noch zwei Priester für die rund 6.500 Katholiken dieser Pfarren vorgesehen, dazu eine Teilzeit-Pastoralassistentenstelle.
Im Dekanat Eferding wird es für die rund 26.500 Katholiken nicht mehr wie jetzt neun, sondern sechs Priester geben. Statt 1,5 Pastoralassistentenstellen sind 2,5 Stellen für Laienseelsorger/innen geplant.
Im Dekanat Wels ist man schon jetzt fast bei den Zahlen, die der Personalplan für 2010 vorsieht: Statt sechs Priestern und vier Pastoralassistenten/innen wird es fünf Priester und fünf Pastoralassist/innen geben.
Am Samstag, 13. November hat der Pastoralrat der Diözese Linz seine Zustimmung zum Personalplan 2005 bis 2010 gegeben – trotz vieler in der Debatte geäußerter Sorgen.
Dem Personalplan liegen Berechnungen zu Grunde, wonach im Jahr 2010 insgesamt 278 Priester (163 Weltpriester, 115 Ordenspriester) für die Pfarrseelsorge zur Verfügung stehen werden. Zur Zeit gibt es 366 aktive Pfarrseelsorger. Gegenüber derzeit 85 Pastoralassistent/innen sollen 2010 insgesamt 136 angestellt werden, hauptamtlich tätige Diakone (derzeit 12) eingerechnet.
Für Generalvikar Mag. Maximilian Mittendorfer galt es bei der Entwicklung des Personalplanes zwei Prinzipien zu berücksichtigen. Die „Kraft der kleinen Gemeinden“ soll durch das Konzept erhalten bleiben. Zugleich geht es aber auch um eine bessere Vernetzung der Seelsorge. Eine entscheidende Schlüsselstelle wird dabei die „mittlere Ebene“ der Dekanate einnehmen. „Auf die Dechanten setzen wir vermehrt Hoffnung, dass sie mithelfen bei der Personalplanung. Die Zusammenarbeit von hauptamtlichen Seelsorgern und den Ehrenamtlichen soll verstärkt auf Dekanatsebene koordiniert werden. Helfen sollen ihnen dabei „Seelsorgeraum-Koordinatoren“, die es zum Teil schon gibt.
Ein Pfarrer soll für höchstens drei Pfarren verantwortlich sein. Für 4.700 Katholiken am Land bzw. für 6.300 Katholiken in Städten wird ein Priester gerechnet. Auf 9.800 Katholiken am Land kommt eine Pastoralassistent/innen-Stelle (in Städten auf 6.300).
Der Pastoralrat beschäftigte sich auch mit Sorgen, die vielfach geäußert werden: Wird man überhaupt die Ehrenamtlichen finden, von denen Kirche stärker getragen sein soll? Wie sieht es nach 2010 aus, wenn die Zahl der Priester noch weiter zurück geht? Man wolle diese Sorgen ernst nehmen und im Dialog, zum Beispiel mit den Orden, Lösungen suchen.
Zurückhaltend äußerte sich der Generalvikar auf einen Vorschlag, wonach verstärkt ausländische Priester zum Einsatz kommen sollten. Man werde im Ausland nicht aktiv auf Priestersuch gehen. Wie bisher sollen jedoch ausländische Priester eingesetzt werden, wenn man diesen zutraut, dass sie sich auf die kulturellen Gegebenheiten der Kirche in Österreich einlassen. Zur Zeit wirken in Oberösterreich 65 Priester mit nicht deutscher Muttersprache.
ZUM THEMA
Orden besorgt
Die Männerorden in der Diözese Linz haben ihre Sorge zum neuen Pastoralkonzept in einem Brief zum Ausdruck gebracht. Unter anderem fürchten die Orden, dass die Rolle der Priester zunehmend auf die Aufgabe eines Moderators reduziert wird. Der seelsorgliche Kontakt zu den Menschen ginge dabei immer mehr verloren. Die Orden fürchten auch, dass es durch die territoriale Ausweitung der seelsorglichen Aufgaben zu einer spirituellen Verarmung der Klostergemeinschaften kommen könnte. Die Erhaltung starker spiritueller Zentren, wie sie die Klöster seit Jahrhunderten sind, sei entschieden zu fördern. Auch die Schwesterngemeinschaften bräuchten Seelsorger. Über ihre Anliegen wollen die Orden im Dialog mit der Diözese bleiben, erklärt dazu Abt Martin Felhofer.
Kirche vor Ort
„Ich bin“, stellt Pastoraltheologe Dr. Peter Hofer fest, „begeistert von der Sachlichkeit und ins Detail gehenden Genauigkeit, mit der der Personalplan ausgearbeitet worden ist.“ Darüber hinaus sollte man jedoch nicht vergessen, wofür Kirche da ist – dass es eigentlich um das Reich Gottes geht. Wichtig wäre, dass Menschen auch künftig konkrete Orte haben, an denen sie Kirche leben können. Hofer spricht sich für die Beibehaltung der Pfarren aus. „Nicht alle Menschen sind so mobil, wie uns die Soziologen einreden wollen.“