Dialog zwischen Christen und Muslimen schwierig, aber wichtig
Ausgabe: 2004/48, Muslime, Religionen, Weltverbesserer, Troll, Dialog, Christen, EU, Europa
24.11.2004
- Matthäus Fellinger
Muslime in Europa sind aus Europa nicht mehr wegzudenken. Der Dialog wird zur entscheidenden Herausforderung.
„Ein Streicheldialog hilft niemandem“, ist die Islam-Beauftragte der Diözese Feldkirch, Dr. Elisabeth Dörler, überzeugt. Bei „Dies Academicus der Katholisch-Theologischen Privatuniversität ging es am 18. November um den Umgang mit anderen Religionen. „Bekämpfen, tolerieren oder anerkennen?– Auf diese Alternativen gaben Expertinnen und Experten Aspekte zu bedenken. Den Grund für Störungen im Umgang zwischen Christen und Muslimen sieht Dörler in mangelnder Bildung. Besonders in Schulen und Krankenhäusern wären Lehrer und Personal vielfach überfordert. Vor allem die mangelnden Sprachkenntnisse seien immer wieder Quelle missglückter Begegnungen. Die Ängste der Menschen im Bezug auf Islam müßten ernst genommen werden. Allerdings gelte es auch, die geglückten Beispiele des Dialogs wahrzunehmen. Der Frankfurter Univ. Prof. Dr. Christian Troll SJ hält es für möglich, dass sich die Glaubenswelten des Islam und des Christentums auf einer gemeinsamen Basis gegenseitiger Anerkennung finden können. Gerechte Beziehungen könnten hergestellt werden. Christen und Muslime könnten sich dann einer gemeinsamen Aufgabe stellen: die Gesellschaft menschlich zu gestalten. Allerdings räumte P. Troll ein: Wir wissen nicht, ob sich bei der Mehrheit der muslimischen Gemeinschaften einer solchen gemeinsamen Glaubensvision, wie sie auch im Islam grundgelegt wäre, durchsetzen wird. Dafür gelte es jedoch zu arbeiten.
Beim „Dies Academicus“ kamen auch Beispiele geglückten Dialoges zur Sprache. Der Linzer Theologe Dr. Stefan Schlager verwies auf Traun und Attnang, wo auch Pfarren eine wichtige Rolle in diesem Dialog wahrnehmen. Auch er betonte, es gelte ein solides Grundwissen über den Islam zu fördern. Und zuerst müsse man in der Begegnung den Menschen sehen. Die „goldene Regel“ habe auch im Umgang zwischen Religionen ihre Bedeutung: Man soll dem jeweils anderen mit dem gleichen Respekt begegnen, den man selbst von ihm erwartet.