Ebensee stehen schwere Tage bevor. Die Solvay Österreich GmbH wird demnächst die Namen der 130 Beschäftigten bekannt geben, die wegen der Schließung der Soda-Erzeugung den Arbeitsplatz verlieren.
Derzeit sind bei Solvay in Ebensee 200 Mitarbeiter/innen beschäftigt. Vor 20 Jahren waren es noch fast 400. Der nunmehrige Aderlass an Arbeitsplätzen ist das vorläufige Ende einer schon fünfzehnjährigen Entwicklung.
Arbeitgeber
Ebensee hat etwa 8.500 Einwohner, von denen viele seit jeher in einem der wenigen Großbetriebe des Ortes ihrer Arbeit nachgehen. Die Gemeinde bekommt zu spüren, wie die Globalisierung im Stande ist, ein lokales Gleichgewicht zu stören. Wie es um Solvay steht, wirkt in viele Bereiche der Gemeinde hinein: Zunächst geht es um 130 Beschäftigte und ihre Familien. Ein Sozialplan soll manches abfedern. Doch viele Betroffene sind zwischen 40 und 50 Jahre alt – es ist nicht leicht, in diesem Alter einen neuen Job zu finden! Viele werden zunächst in die Salzkammergutarbeitsstiftung aufgenommen. Wenige werden innerhalb von Solvay den Arbeitsplatz wechseln. Auch die Firma Chemserv wird Arbeiter brauchen, wenn die Gespräche über eine Betriebsansiedlung positiv verlaufen.
Folgen
Für die Sodaproduktion wird Rohsole und Kalkstein und als Brennstoff Koks eingesetzt. Den Kalkstein baut Solvay ab. Die Sole kommt von der Salinen AG. Diese denkt nun daran, einen vierten Verdampfer zu bauen, um aus der nicht mehr an Solvay lieferbaren Sole zusätzlich Salz produzieren zu können. Die Gemeinde Ebensee wird weniger Kommunalsteuern erhalten. Das örtliche Hallenbad und andere Gebäude müssen andere Wärmequellen finden, wenn das Kühlwasser von Solvay „versiegt“. Die Leute haben weniger Geld, das werden auch die örtlichen Geschäfte spüren ...
Ursachen
Mag. Dr. Josef Leitner, Leiter Personal und Verwaltung von Solvay Ebensee, nennt drei Gründe für das Aus der Sodaproduktion im Sommer 2005: weltweite Überproduktion, Preisdruck und Kostenentwicklung. „Seit der Ostöffnung drängen billige Ostprodukte auf den Markt, unsere Kosten aber sind gleich geblieben, wenn nicht sogar gestiegen.“ Leitner nennt neben der Sole die Energiekosten. „Das Einzige, wo wir am Rädchen drehen konnten, war das Personal.“ Solvay besetzte den natürlichen Abgang nur teilweise nach. Das hatte Grenzen.
„Unsere Leute sind hoch qualifiziert“, sagt Dr. Leitner. Sie sind in technischen Berufen ausgebildet. Der Fremdenverkehr ist da kaum eine Job-Option. Im inneren Salzkammergut fehlt ein Mittelbetrieb mit bis zu 400 Arbeitsplätzen. Auch für die verbleibenden Solvay-Mitarbeiter (Erzeugung von gefälltem Kalziumkarbonat) müssen sich auf Veränderungen einstellen. Ein neues Schicht- und ein verändertes Lohnsystem in Verhandlung.