Nach neun Jahren Bauzeit ist 1903 den Kleinramingern die Kraft und das Geld zur Vollendung der Kirche ausgegangen. Um die Leute anzuspornen ließ der zuständige Pfarrer einen nach damaligem Empfinden unmöglichen Turmhelm (im Bild) bauen. Der Trick hatte Erfolg und die Leute spendeten für einen „schönen“ Turm.
Der Pfarrer war dagegen, von der Diözese kam keine Unterstützung – dennoch ließen sich die Bewohner des Ramingtales nicht vom Bau einer eigenen Kirche abhalten.
Mehr als eineinhalb Stunden Fußmarsch mussten die Gläubigen auf sich nehmen, um ihre Pfarrkirche in St. Ulrich zu erreichen. Kein Wunder, dass in der Bevölkerung der Wunsch nach einer eigenen Pfarre auftauchte. Doch der Weg von der Idee bis zur Verwirklichung war lang: von der Gründung eines Kirchenbau-Komitees im Jahr 1879 bis zur Kirchweihe im September 1905. Dass der zuständige Pfarrer von St. Ulrich das Projekt ablehnte, ist verständlich. Sank mit der Verkleinerung seines Pfarrgebiets auch die Bedeutung seiner Stelle. Der Bischof war nicht gegen das Vorhaben, machte aber klar, dass von der Diözese außer einer einmaligen Spende keine finanziellen Mittel zu erwarten waren. So lag das Projekt in den Händen der Leute. Mit ungeheurem Einsatz bauten sie neben der bereits bestehenden Schule „ihre Kirche“. „Es ist unsere Kirche – dieses Bewusstsein ist bis heute zu spüren: bei der Teilnahme am Gottesdienst, den verschiedenen Feiern und bei der Bereitschaft zur Mitarbeit“, sagt Pfarrassistent Mag. Reinhard Brandstetter. In einem Jubiläumskalender lässt die Pfarre ihre Geschichte Revue passieren. Nicht um in Nostalgie zu schwelgen, sondern um für das Heute Kraft zu schöpfen, so Brandstetter: „Die Vision eine Kirche zu bauen trotz ungünstiger Umstände, mehr als zwei Jahrzehnte durchzuhalten trotz Rückschlägen, für Menschen dankbar zu sein, die einander ermutigen – das sind Haltungen, die auch für heute aktuell sind.“
Arbeiten für die Zukunft
Ein Kunstprojekt in der Kirche (die KIZ berichtete), die Pfarrnachrichten im neuen Gewand, die Auseinandersetzung zum Thema „Wir alle sind Bettler und brauchen die Caritas“ – allen Veranstaltungen des Festjahres geht es um die „Spiritualität“ des Jubiläums und sie weisen in die Zukunft. Die Zukunft fordert die Bewohner zur Genüge heraus: Nach der Schließung des Gendarmeriepostens wird im Mai die Post zusperren und die Schule wird in den kommenden Jahren deutlich kleiner werden. Brandstetter ist trotz allem optimistisch: „Wenn ich auf den Einsatz der Kleinraminger in der Vergangenheit schaue, habe ich keine Angst vor den nächsten hundert Jahren.“