Kranke nicht allein zu lassen ist ein Hauptauftrag an Christen. Krankenseelsoger erzählen, was sie selbst dabei erleben.
Entwicklungspolitik, Bildung, Bücher. 25 Jahre lang war das die berufliche Welt von Dr. Guido Rüthemann. Seit einem halben Jahr arbeitet der Theologe wieder dort, wo er damals begonnen hatte: in der Seelsorge. Im Krankenhaus Gmunden ist er Karenzvertreter in der Krankenhausseelsorge. Die Menschen, für die er jetzt arbeitet, leben nicht tausende Kilometer enfernt. Sie sind ganz nahe. Im Bett, an dem er sitzt. „In der Begleitung von kranken Menschen erfahre ich sehr viel Dankbarkeit!“, erzählt Rüthemann. Er selbst schöpft Kraft für seine Arbeit aus diesen Begegnungen. Mehr noch: Die Begegnung mit Kranken stärkt in ihm die Hoffnung, „dass Gott doch das letzte Wort hat, dass die Liebe stärker ist als der Hass, dass die Vergebung stärker ist als die Schuld, dass Leben siegt und nicht der Tod“. Als Krankenseelsorger muss man es freilich aushalten, dass man in Situationen hilflos dasteht. „Du weißt oft nicht, was als Nächstes kommt; auch wenn es Krankheitsbilder gibt, es ist doch bei jedem Menschen anders.“ Guido Rüthemann bespricht seine Erfahrungen jeden Monat mit der Leiterin der Krankenseelsorge im Wagner-Jauregg-Krankenhaus in Linz, Sigrid Rockenschaub. Rockenschaub betreut selbst elf Stationen im Krankenhaus. Der Weg nach Hause mit dem Autobus, dann noch zehn Minuten zu Fuß, lässt sie auch Abstand gewinnen. Sonst wäre sie der psychischen Belastung nicht gewachsen. Gerade bei psychisch kranken Menschen weiß man nie, was einen erwartet: an Schönem ebenso wie an Wut. Kranke Menschen wünschen Kontakt. Und wenn eine Krankheit schon länger dauert, werden die Besuche oft seltener. Die Kranken fühlen sich dann vergessen, bisweilen auch abgeschoben. Wie wichtig es ist, den Kontakt zu den Kranken aufrecht zu halten, wissen die Krankenseelsorger/innen.Guido Rüthemann hat auch diese Erfahrung gemacht: Von der Begegnung mit Kranken kann man auch für sich selbst etwas gewinnen – damit man selbst besser tragen kann, was vielleicht eines Tages auf einen selbst zukommen wird.