Frühschoppen beim 25-jährigen Pfarrjubiläum von Josef Edlinger in Mondsee, mit Kaplan Wolfgang Grubinger. Einen Pfarrer und Kaplan wird man hier nicht mehr lange an einem Tisch erleben können.
In rund 40 Seelsorgestellen in Oberösterreich steht ein Personalwechsel an. Bei Nachbesetzungen haben Dekanate jetzt mehr mitzureden.
„Besser, ich gehe, wenn ich merke, dass ich gehen soll – als wenn die anderen schon munkeln, dass ich gehen sollte.“ So sieht es Pfarrer KonsR Josef Edlinger aus Mondsee. Also entschloss sich der 69-Jährige in Pension zu gehen. „Wir hätten schon noch gehofft, dass er ein paar Jahre bleibt“, erzählt Pfarrgemeinderats-Obmann Franz Widlroither. Neben seinem Beruf als Geschäftsführer im Lagerhaus wird er sich auch in der Pfarre um Zusätzliches zu kümmern haben. Kaplan Mag. Wolfgang Grubinger wird ebenfalls weggehen. „Damit haben wir gerechnet, schließlich ist die Diözese interessiert, dass aus Kaplänen Pfarrer werden!“ Die Mondseer Pfarrgemeinderäte haben inzwischen Klausur gehalten. Viel wird jetzt vom eigenen Einsatz abhängen. Wir werden wieder einen Pfarrer bekommen, rechnen sie fix. Kaplan wird es keinen mehr geben, aber hoffentlich einen Pastoralassistenten oder eine Pastoralassistentin.
Dechanten bereiten Lösungen vor
Das wird allerdings nicht in Linz allein entschieden. Erstmals wird der „Ball“ bei einem Personalwechsel in das Dekanat – in diesem Fall Frankenmarkt – zurückgespielt. Dort soll man Lösungen vorbereiten. Statt fünf Messen in Mondsee und zwei weiteren in den Filialkirchen wird es künftig nur noch drei an einem Samstag/Sonntag geben. Mehr ist einem Priester nicht zumutbar, meinen auch die Pfarrgemeinderäte. In Mondsee gab es im letzten Jahr 52 Begräbnisse und 112 (!) Taufen, dazu 48 Hochzeiten. „Wenn wir in unseren Filialkirchen Wortgottesdienste haben wollen, müssen sich Leute finden, die sich dafür ausbilden lassen“, sieht PGR-Obmann Widlroither die Sache nüchtern. Die Stimmung in der Pfarre ist nicht schlecht. Eine Art Aufbruchstimmung war bei der Klausur sogar zu spüren gewesen. Schwertberg im Mühlviertel. Seit 1973 war KonsR. Johann Stöllnberger hier Pfarrer. „Dass ein Pfarrer sagen kann: ‘Es geht nicht mehr, ich gehe in Pension’, muss möglich sein“, sagt PGR-Obmann Ing. Thomas Hinterholzer. Die Unsicherheit in der Frage der Nachbesetzung ist natürlich da. Man hofft allerdings, dass im Seelsorgeraum Schwertberg-Mauthausen auch künftig zwei Priester eingesetzt werden. Zumindest einer von ihnen wird laut Seelsorgeplan künftig noch andere Aufgaben übernehmen müssen. Statt wie jetzt 1,49 Pastoralassistentenstellen wird es nur noch eine Dreiviertelstelle geben.Der Weg zur EntscheidungErstmals verfährt die Diözese Linz nach einem neuen Modus für die Personalbesetzung in Pfarren. Bereits im Jänner mussten Priester und Pastoralassistent/-innen Veränderungswünsche – etwa Pensionierung oder den Wunsch nach einer anderen Einsatzstelle – bei der Diözese bekannt geben. Im Vorstand der Personalstelle wird jetzt augrund des geltendenden Personalplanes und im Blick auf besondere Situationen festgelegt, welche Stellen neu ausgeschrieben werden. Die Dechanten werden informiert. Sie beraten im Dekanat und im betroffenen Seelsorgeraum die Situation. Besonders wichtig ist dieser Schritt, wenn eine Pfarre keinen eigenen Pfarrer mehr bekommt, wie das zum Beispiel jetzut in Kleinreifling der Fall ist. Kernpunkt dabei: Man sollte dabei nicht nur die eigene Pfarre, sondern den ganzen Seelsorgeraum in den Blick nehmen. Pastoralassistent/innen können einen bestimmten Schwerpunkt vielleicht im ganzen Seelsorgeraum wahrnehmen. Auf Grund der Rückmeldungen aus dem Dekanat wird im April vom Personalvorstand in Linz die Ausschreibung der Stellen vorgenommen. Nach den eingelangten Meldungen geht es im laufenden Jahr um die Nachbesetzung von etwa 15 Pfarrerposten und 26 Stellen anderer pastoraler Berufe, erklärt die Abteilungsleiterin für Pastorale Berufe, Mag. Brigitte Gruber-Aichberger. Heuer wird man einigermaßen über die Runden kommen, hofft sie, denn 23 Personen mit entsprechenden Ausbildungen haben ihr Interesse an einem pastoralen Beruf angemeldet. Etliche davon kommen aus der Karenz zurück, andere wollen vom Schuldienst in die Seelsorge wechseln. Dazu kommen vier neue Jugendleiter/innen. Der pastorale Dienst – freut sich Gruber-Aichberger – ist gefragt. Insgesamt sind es rund 40 Pfarren, für die bis Herbst eine neue Leitung oder sonst ein Personalwechsel organisiert werden muss.
Rücksicht auf Alter und Gesundheit
Dabei werden nicht nur die Zahlen ausschlaggebend sein. Alte Priester wird man nicht mehr „versetzen“. Von gesundheitlich angeschlagenen Seelsorgern kann man nicht volle Leistung einfordern. Wenn in einem Dekanat die Pfarren jetzt zwar gut besetzt sind, aber ein sehr hoher Altersschnitt herrscht, wird man trotzdem schauen, dass wieder jüngere Seelsorger nachrücken, meint Gruber-Aichberger.