Zwei Monate nach der Flutkatastrophe gelingt es immer öfter, Opfer zu identifizieren. Ihre Beisetzung in Thailand oder die Verabschiedung ist eine der Aufgaben für die Notfallseelsorge in Phuket.<7b>
„Unsere Aufgabe war es, das Internationale Beratungszentrum aufzubauen“, sagt Rudi Sigl. Der Pfarrer von Bregenz-Mariahilf war Seelsorger im ersten Kriseninterventionsteam (KIT), das in Phuket tätig war. Vergangenen Freitag ist Sigl aus Thailand zurückgekehrt. Gemeinsam mit dem österreichischen Sonderbotschafter, Dr. Harald Wiesner, wurde ein Ort eingerichtet, wohin sich deutschsprachige Angehörige wenden können. „Nach der Soforthilfe und der Heimführung der Verletzten unmittelbar nach der Katastrophe, geht es jetzt um Angehörige von Vermissten oder Verstorbenen“, erklärt Sigl. „Ich war überrascht, wie viele Anfragen wir täglich erhalten haben, besonders über Internet“ (Kasten unten).Sehr beeindruckt zeigte sich Pfarrer Sigl über die Arbeit des österreichischen Teams zur Identifikation der Katastrophenopfer. Den Gerichtsmedizinern, Zahntechnikern und Kriminalbeamten sei es gelungen, bereits 20 der 100 Vermissten aus Österreich zu identifizieren. Besonders zielführend sei der Zahnvergleich. Dennoch: trotz unermüdlichen Einsatzes der internationalen Experten konnten zwei Monate nach der Katastrophe 1700 Leichen noch nicht erfasst werden. Bis alle obduziert sind, pro Leiche arbeiten bis zu acht Experten rund drei Stunden, wird noch ein halbes Jahr vergehen.
Lotusblüten auf dem Sarg
Seit vier Jahren arbeitet Rudi Sigl im KIT-Vorarlberg mit. Darin ist er einer von vielen Mitarbeitern: „Ich arbeite da nicht in erster Linie als Priester mit“, erklärt Sigl. Bei seinem 17-tägigen Aufenthalt in Phuket jedoch „war ich besonders als Seelsorger gefragt“, meint der Pfarrer. „Es geht darum, die identifizierten Opfer in würdiger Form zu verabschieden, bevor sie im Sarg nach Österreich überführt werden“, sagt er. „Wir wollen den Toten wieder eine Würde geben“, fasst Rudi Sigl das Anliegen dieser Feiern zusammen. An jeder einzelnen nehme auch Botschafter Wiesner teil. Viele Angehörige entscheiden sich, ihre Toten in Thailand beizusetzen. Die Verabschiedung erfolgt dann im buddhistischen Tempel von Vat Prathong: „Die Mönche haben keine Berührungsängste, auch wenn es nach katholischem Ritus geht“, erzählt der Pfarrer. „Bevor die Leiche verbrannt wird, haben wir Lotusblüten auf den Sarg gelegt. Das ist üblich beim Abschied in Thailand. Später wird die Asche im Tempelbereich beigesetzt.“ Dem geht eine Vorbereitung mit den Angehörigen voraus, die mindestens einen Tag dauert. „Denn die Feier soll den Angehörigen entsprechend gestaltet sein. und dabei ergeben sich oft sehr intensive Gespräche“, berichtet KIT-Mitarbeiter Rudi Sigl.
Zur Sache
-Hilfe beim „Begreifen“
„Das ist der Beitrag unserer Familie für die vom Tsunami betroffenen Menschen“, sagt Martin Eickhoff. Vom 1. März an wird der evangelische Pfarrer aus Steyr wie Pfarrer Sigl (Bericht links) für drei Wochen im IBZ in Phuket tätig sein. Er möchte den Menschen, die durch die Flutwelle Angehörige verloren haben, beim „Begreifen des Unbegreiflichen“ helfen.
- Ausbildung zur Notfallseelsorge
Dass Notfallseelsorger/innen im Ausland Dienst tun, ist die Ausnahme. In Oberösterreich sind 28 Frauen und Männer im Einsatz, um „Erste Hilfe für die Seele“ zu leisten: ob nach einem plötzlichen Todesfall zur Begleitung der Angehörigen oder bei einem schweren Unfall zur Betreuung der Unfallopfer. Im Mai 2005 beginnt der nächste Ausbildungskurs (bis Februar 2006) für die ehrenamtliche Notfallseelsorge.
Informationen: Mag. Silvia Breitwieser, Beauftragte der Diözese Linz für Notfallseelsorge, Tel. 0 676/87 76 39 70 oder notfallseelsorge@dioezese-linz.at