„Ich möchte Sie ermutigen, viel rauszuholen aus dem, wie Sie den Alltag mit den Kindern leben!“ – So fasste die Hauptreferentin der Tagung für die Kindergarten-Helferinnen, Mag.a Nathalie Bayer-Chisté, ihre Hauptaussage zusammen.
Die PISA-Studie hat den Kindergarten auch als erste Bildungsinstitution in den Blick gebracht. Dass es im Kindergarten vor allem um soziale Kompetenz geht, klang in den Statements immer wieder durch. Doch soll die Selbst- und Sachkompetenz auch entsprechend gefördert werden.
Kinder sind kompetent
Alltagssituationen sind Bildungssituationen, sagte Nathalie Bayer-Chisté. „Wie wir mit den Kindern und untereinander umgehen, ist auch Bildung.“ Dem Umfeld kommt eine wesentliche Rolle in der Bildung zu. Das Wie und Warum des Lernens ist viel entscheidender als das Was. Und noch eine Botschaft war Bayer-Chisté besonders wichtig: Kinder besitzen ein großes Potenzial, ihre Entwicklung selbst und aktiv voran zu treiben. Lebenslanges Lernen wird immer wichtiger – „wir müssen die Kinder befähigen, dass sie sich selbst bilden können.“
Bayer-Chisté arbeitet wissenschaftlich am Charlotte Bühler-Institut für praxisorientierte Kleinkindforschung in Wien. Ein Ergebnis dieser Arbeit, die sie bei der Kindergarten-Tagung referierte, ist das Buch „Tagein Tagaus“, das sie mit weiteren Autorinnen geschrieben hat.
Zeit und Muße
Der Kindergarten-Alltag prägt sich im Gedächtnis ein. Im Alltag stehen die Grundbedürfnisse im Vordergrund – essen, schlafen, Körper pflegen, bewegen...). Die Alltagsstruktur gibt Orientierung und Sicherheit, Flexibilität und Selbstständigkeit. Mag.a Nathalie Bayer-Chisté betonte, wie wichtig für das Kind Zeit und Muße sind. Die Langsamkeit hat ihren Wert. „Haben Sie viel Vertrauen in die Kompetenz der Kinder, dass sie ihren Weg gehen. Sie brauchen Zeit!“
Bezugspunkt Kindergarten
Caritas-Direktor Mathias Mühlberger wies in seinem Begrüßungswort auf Ergebnisse einer repräsentativen Befragung hin: Die Wahrnehmung der Caritas in der Öffentlichkeit ist kaum mehr steigerbar. „Zu diesem Bekanntheitsgrad leisten die Pfarrcaritas-Kindergärten einen wichtigen Beitrag“, sagte Mühlberger. Bemerkenswert ist der Kirchenbezug von Eltern von Kindergartenkindern. Für die Hälfte von ihnen ist der Kindergarten der einzige Bezugspunkt zur Kirche. Mühlberger zum Bildungsauftrag der Kindergärten. „Im guten Sinn wird im Kindergarten lernen und leben gefördert.“
Die Geschäftsführerin der Caritas für Kinder und Jugendliche, Mag.a Renate Krenn, nannte eingangs einige Bildungs-Herausforderungen für Kindergärten: Fordern wir die Kinder genug? Übersehen wir die Hochbegabten nicht! Haben die Kinder mit besonderem Förderungsbedarf genug Aufmerksamkeit? ... Und sie sprach finanzielle Sorgen an, auch wenn die oö. Kindergärten eine gute Ausgangslage haben. Dennoch klaffen die Möglichkeiten reicher und finanzschwacher Gemeinden weit auseinander: Reiche Gemeinden können sich für ihre Kindergärten vieles leisten...