„Ich bin sehr zufrieden. Ich kaufe fast nur noch so.“ – Wie diese Kundin von Direktvermarkter und Biobauer Appenzeller am Grünmarkt in Urfahr handelt etwa ein Fünftel aller österreichischen Haushalte.
Von 25. bis 28. Februar findet in Wieselburg die Spezialmesse für bäuerliche Direktvermarkter statt. Die Messe ist Info-Drehscheibe zur Direktvermarktung, die heuer bei mehr als einem Drittel der landwirtschaftlichen Betriebe eine Rolle spielt. Jeder achte Bauernhof erzielt durch die eigene Vermarktung der Produkte mehr als ein Fünftel des Einkommens. Nicht ganz ein Drittel aller Direktvermarkter sind Biobetriebe. Ein österreichweites Programm zur Qualitätssicherung zeichnet Betriebe, die bestimmte Auflagen und Standards erfüllen, mit dem Gütesiegel „Gutes vom Bauernhof“ aus. In Oberösterreich sind derzeit etwa 160 Betriebe berechtigt, dieses Gütesiegel zu führen. 500 Betriebe haben andere Gütesiegel. Sie alle sind Zeichen, wie sehr auf Qualität geachtet wird. „Ich habe immer gedacht, Bioprodukte sind etwas für Leute, die nicht unbedingt aufs Geld schauen müssen“, erzählt die Grünmarkt-Kundin. „Aber das ist nur bedingt wahr. Denn die Bioprodukte sättigen ganz anders.“ Die „Hitliste“ der Produkte in der Direktvermarktung führen Fleisch und Fleischwaren an (57,7 %), gefolgt von alkoholischen Getränken (31,7 %), Milch- und Milchprodukten (27,3 %), Eiern (24,4 %) sowie alkoholfreien Geränken und Brot samt Gebäck (jeweils über 15 %). Ein besonderer Zweig sind die Schulmilch-Lieferanten: 36 Betriebe versorgen etwa 40.000 Schulkinder.Erwin und Stephanie Appenzeller bewirtschaften ihren Biohof in der Gemeinde Steyregg. Sie fahren Woche für Woche auf den Bauernmarkt nach Traun und auf den Grünmarkt in Linz-Urfahr. Konnte man bei ihrem Stand früher Speck, Schnitzelfleisch, Schopfbraten oder Rindfleisch kaufen, hat sich das Ehepaar Appenzeller vor einiger Zeit auf Dinkel-, Roggen- Vollkornbrot, Dinkelvollkornprodukte und Äpfel sowie Apfelsaft spezialisiert.
Bewusste Kunden
„Als Biobauer kann ich nur Kunden erreichen, die ein entsprechendes Ernährungs-Bewusstsein haben“, sagt Erwin Appenzeller. Insgesamt wird der Konkurrenzdruck auch in seiner Branche härter. Dennoch, davon ist Appenzeller überzeugt, ist nur nachhaltige, schonende Bewirtschaftung zielführend. „Wir werden in den nächsten Jahren zu spüren bekommen, was wir her und her der Schöpfung antun.“ Und die Brotkundin übersetzt das Thema allgemein: „Wenn ich wider besseres Wissen immer noch was falsch mache – ein besonderes Beispiel ist die Absicht, 160 Stundenkilometer auf der Autobahn zuzulassen – dann ist es verrückt.“ Erwin Appenzeller leidet darunter, dass gerade Christen und die Kirche oft zu gleichgültig der Schöpfung gegenüber sind. Wichtige Argumente für die Direktvermarktung sind der unmittelbare Kontakt zum Kunden, das darauf beruhende Vertrauen in die Produkte sowie die Unabhängigkeit der Bauern. Das betonen auch die beiden Bäuerinnen Gudrun Ransmayr aus Dörnbach, Wilhering, und Petra Kirchweger aus Molln, die ab Hof verkaufen. Seit 1995 ist der Kirchweger-Hof ein Biohof, dessen einkommensstärkstes Standbein die Bio-Wildhenderl sind. Alle sieben Wochen vermarktet Petra Kirchweger etwa 900 Henderl, wobei sie auf Kundenwünsche besonders eingeht. Auch Hauszustellung ist möglich. Ein Teil der Henderl wird an Billa und Merkur verkauft.ErnährungsberatungGudrun Ransmayr führt einen Bio-Hofladen. Die eigene Landwirtschaft ist ein Ackerbaubetrieb. Im Hofladen werden aber sehr viel mehr Produkte verkauft, Erzeugnisse vieler anderer Bauernhöfe. Die Produktpalette reicht vom Fleisch über Gemüse, Milch, Joghurt, Honig, Biowein hin zu Gries, Nudeln, Dinkelweizen ... Auch hier gilt: Der Kontakt zum Kunden ist das Um und Auf der Direktvermarktung! Die Kunden kommen nahe an die Produktion, sehen, wie die Produkte hergestellt werden. Der Verkauf ist nicht bloßer Verkauf, sondern wird auch zur Ernährungsberatung: Dass Dinkel etwa fast glutenfrei ist und auch in der Schonernährung eingesetzt werden kann...