Bis 2003 hatten Waldneu-kirchen und Leonstein je einen eigenen Priester. Seit ein einziger Pfarrer beide Pfarrgemeinden betreut, sind die Einnahmen deutlich gesunken. Pfarrer Hans Hauer erklärt die Gründe.
„Die Leute, die in die Gottesdienste kommen, spenden sehr viel“, streut der Pfarrer seiner „Herde“ Rosen, fügt aber im selben Atemzug hinzu: „Es wird nicht nur die Arbeit der Seelsorge mehr, sondern auch der Geldsorge.“ Die Gründe dafür liegen für Hauer auf der Hand: Durch seine Gottesdienstverpflichtung in zwei Pfarren sinken die Einnahmen aus den Messstipendien. Für Waldneukirchen eine beträchtliche Summe: Nahm die Pfarre 2003 4.966 Euro an Messintentionen ein, waren es 2004 nur mehr 3.714 Euro. Der Trend setzte sich bei den Tafelsammlungen fort: Die Einnahmen waren im Vorjahr um 5.000 Euro niedriger als 2003. Natürlich wirkt sich die von Jahr zu Jahr sehr unterschiedliche Anzahl von Begräbnissen auf den „Klingelbeutel“ aus, aber die Tendenz nach unten ist nicht umzukehren. Während die Einnahmen sinken, steigen die Ausgaben für Strom und Heizkosten spürbar: „Weil der Pfarrer kaum mehr Hausmeister-Aufgaben übernehmen kann: Heizung regeln, Licht abdrehen und Fenster schließen“, so Hauer. Die Pfarrangehörigen von Waldneukirchen waren schockiert, als die Jahresabrechnung 2004 vorlag: Einnahmen von 41.381 Euro standen Ausgaben von 53.829 Euro gegenüber. Die Pfarre hat einen Abgang von 12.488 Euro zu verzeichnen. In Leonstein wies die Jahresbilanz ein Minus von 3.700 Euro aus. „Wir stehen nicht vor dem Konkurs, aber die finanzielle Lage für mittelgroße Pfarren wird schwieriger“, stellt Hauer nüchtern fest. Wie die Pfarren der Finanzmisere entgehen können, darauf hat er auch kein Patentrezept. Mit dem Pfarrball als neue Einnahmequelle allein, den Waldneukirchen plant, wird es nicht getan sein. Auch Optimierungen bei den Betriebskosten werden gesucht. Trotz des finanziellen Engpasses zeigen sich Waldneukirchen und Leonstein als „gesunde“ Pfarren. Untrüglicher Maßstab dafür ist der „Kollektenkalender“, der beweist, dass die Pfarren den Blick über den Tellerrand hinaus nicht verloren haben. Von der Sternsingeraktion bis zur Caritassammlung wurden in Waldneukirchen zum Beispiel 31.000 Euro für die Weltkirche und Anliegen der Diözese gesammelt. Tendenz steigend.
Pfarren unter 1.000 Einwohner
Zur Sache
„Die finanzielle Lage der Pfarren ist sehr unterschiedlich“, erklärt Dr. Martin Füreder, Leiter des Bereiches Pfarre/Gemeinde im Pastoralamt. Die Diözese beschäftigt sich zur Zeit mit den Klein-Pfarren unter 1.000 Einwohnern. Das sind 126 der insgesamt 487 Pfarren. Eine hochkarätige Arbeitsgruppe überlegt: Welche seelsorgliche Mindestbasis brauchen Klein- und Kleinstpfarren ohne hauptamtlichen Seelsorger vor Ort? Welche finanziellen Rahmenbedingungen müssen gegeben sein, damit die Seelsorge gesichert ist? – Noch gibt es keine Antworten und Regelungen, aber die Probleme werden nicht auf die lange Bank geschoben.