Und sie freuen sich. Vor zwei Jahren kamen sie nach Österreich als Flüchtlinge aus Usbekistan, wo sie als Russen verfolgt wurden.
In Russland sei Glaube kein Thema gewesen. „Jetzt brauchen wir das. Es ist schwer, leben ohne zu glauben“, Familie Gankewitsch hat sich entschieden. „Heuer in der Osternacht wird die Tauferneuerung für die ganze Pfarrgemeinde etwas Besonderes, auch für mich“, so P. Josef Stelzer, Pfarrer in Neuhofen an der Krems. Anfang des Jahres war Famile Gankewitsch auf ihn zugekommen mit der Bitte, sie zu taufen. In der Osternacht werden die drei Erwachsenen Natalia, Anna und Sergey Gankewitsch katholisch, mit Taufe, Kommunion und Firmung. Zlata, die noch in die Volksschule geht, wird getauft und erhält auch zum ersten Mal die Kommunion.
Die Entscheidung
Ihr Leben war bis jetzt nicht einfach: In Usbekistan verfolgt, weil sie Russen waren. Die Flucht nach Österreich und im Flüchtlingslager im Waldviertel von tschetschenischen Flüchtlingen schikaniert. Nach zwei Jahren vom österreichischen Staat noch immer keinen Asylbescheid. Im Waldviertel lernten sie Familie Seybold aus Neuhofen kennen. Es war auch die christliche Überzeugung, die Familie Seybold veranlasste, trotz bürokratischer Hürden, die russischen Flüchtlinge bei sich im Haus aufzunehmen. Seit Juli des vergangenen Jahres lebt Familie Gankewitsch nun in einer Einlegewohnung bei den Seybolds. Es wuchs eine Freundschaft und sie lernten Christus kennen: „Aus der oftmals gestellten Frage: ,Warum machst du das für uns – wir machen doch nur Probleme!’ , entstand immer eine kleine Glaubensdiskussion“, schildert Andrea Seybold das Zusammenleben. Die christlichen Feste, die Gebete am Abend und vor allem das Hinwandern auf den Heiligen Abend, überall war Familie Gankewitsch dabei. Und es keimte der Wunsch selbst aktiv zu werden. „Seither ist es selbstverständlich, dass wir gemeinsam in verschiedenen Sprachen beten.“ Der nächste Schritt: der Gang zum Pfarrer.
Vorbereitungen
Auch für Pfarrer Stelzer war es eine neue Erfahrung. Denn bis jetzt waren es Babys oder Kinder, die getauft wurden. „Wenn bei uns Erwachsene nach der Taufe fragen, dann ist es für mich ein Zeichen, dass der Geist Gottes in unserer Mitte wirkt.“ Das sollte auch der ganzen Gemeinde bewusst werden: Das Katechumenat der Taufwerber wurde zu einer Taufvorbereitung für die ganze Gemeinde. Bei den Feiern waren auch die Kinder, die sich auf die Erstkommunion und Firmung vorbereiten, eingebunden. Am ersten Fastensonntag wurden die Taufwerber der Gemeinde vorgestellt und zur Taufe zugelassen. Ab da waren die Taufwerber Teil der Gottesdienste: An den folgenden Sonntagen wurde ihnen während des Gemeindegottesdienstes das Glaubensbekenntnis feierlich überreicht. Sie wurden gesalbt mit Katechumenöl. Das Vaterunser: Anna Gankewitsch betete auf Russisch vor, die Gemeinde antwortete in Deutsch. Das Schmuckblatt, auf dem das Glaubensbekenntnis gedruckt ist, hängt nun eingerahmt über dem Esstisch der Familie Gankewitsch.„Es sind die eindringlichen und starken Symbole, die das Katechumenat für die ganze Pfarrgemeinde zu einem Erlebnis machen und zu einer Vertiefung des Glaubens verhelfen können“, Pfarrer Stelzer freut sich auf das Fest. Für das Gelingen ist alles vorbereitet: Ein Posaunenchor hat festliche Werke ausgewählt, der Jugendchor probt, der Pfarrgemeinderat bereitet eine Agape vor, die vier Taufkerzen sind verziert ...