Die Welt der Künstler entdeckte der junge Priesterseminarist Johann Maislinger vor 40 Jahren während der Studienzeit. Die Arbeiten von Erich Wulz haben es ihm damals angetan, in der Kirche St. Markus hat dies Spuren hinterlassen.
ELISABETH LEITNER
„Weißt eh: Wenn du ein Bild kaufst, bist verloren“, sagte damals der Linzer Galerist Otto Bejvl zum jungen Priesterseminaristen Johann Maislinger. Die Sammler-Leidenschaft war geweckt. Dem ersten Bild „Maria Verkündigung“, das Maislinger von Wulz erstand, folgten viele weitere, salopp gesagt: eine ganze Kirche. Denn die künstlerische Gestaltung der Pfarrkirche Linz-St. Markus trägt die Handschrift von Wulz.
Erich Wulz in St. Markus. Erich Wulz lebte von 1906 bis 1984 in Salzburg, anlässlich seines 100. Geburtstags findet nun in Reichersberg eine Gedächtnis-Ausstellung statt. Auch in Linz sind seine Werke zu sehen: im Salzamt und in der Pfarre Linz-St. Markus. Von ihm stammen die Glasfenster, der Kreuzweg, die Orgelbemalung, die Tabernakelbilder, das Fastentuch, der Entwurf für den gestickten Wandteppich. „Die Arbeit an der Kirche St. Markus war eines der glücklichsten Erlebnisse meines Lebens“, schrieb der Künstler 1982 ins Goldene Buch der Pfarre.
Mein Favorit. Neu dazugekommen ist nun in der Kirche St. Markus der Zyklus „Marienleben“. Die 15 Hinterglas-Bilder sind ein Abschiedsgeschenk von Pfarrer Johann Maislinger, der nach 25 Jahren seinen Dienst in der Pfarre beenden wird (die KIZ berichtete). Am 7. Mai hat er die Bilder-Serie der Pfarre übergeben. Pfarrer Johann Maislinger erzählt: „Erich Wulz war immer mein Favorit, besonders angetan haben es mir seine religiösen Werke. Den Marienzyklus habe ich 1968 erworben und in Raten abbezahlt. Nach einigen Jahren in St. Markus habe ich beschlossen, dieses Hauptwerk einmal der Kirche zu stiften.“ Die Hinterglas-Bilder zeigen Stationen im Leben Mariens, wie sie aus den biblischen Erzählungen und der überlieferten Tradition bekannt sind: Von der Verlobung, dem Alltag der Hl. Familie bis zur Krönung Mariens reicht der Bilder-Bogen. „Die Bilder sind lange gereift und benötigten einen langen Arbeitsprozess von mindestens einem Jahr“, weiß Maislinger zu berichten. Als Marienverehrer haben diese Bilder besondere Bedeutung für ihn. „Maria ist für mich der zutiefst mütterliche Mensch“, sagt Pfarrer Johann Maislinger.
Fast alles aus einer Hand. Maislinger ist stolz auf seine Kirche, für ihn ist sie die „kunstreichste moderne Kirche in Österreich“. Warum? „Weil fast alles – außerder Krippe und der Bibel in Ton von Robert Himmelbauer – aus einer Hand und trotzdem vielfältig ist“, erklärt Maislinger. Kritik, die Kirche sei zu überladen, nimmt er gelassen. „Es kommen viele um sich die Kirche anzuschauen und die Kirchenbesucher/innen sind gerne da“, erzählt er. Arbeiten von Erich Wulz sind auch in Munderfing (evangelische Kirche) und in Schönering (Pfarrkirche) zu sehen.
- Wulz-Ausstellungen: Stift Reichersberg, „Bilder zum Alten und Neuen Testament“ bis 25. Juni; Salzamt Linz, Obere Donaulände, bis 25. Mai 2006.