Ausgabe: 2008/20, Fußball, Schuster, Peter, Hauptschule, Fetzenlaberl, Schule
14.05.2008
- Paul Stütz
Fair Play ist in der Fußballproduktion leider meistens ein Fremdwort. Der ehemalige Entwicklungshelfer Gerald Schuster zeigt Schüler/innen, was sie selbst daran ändern können.
Bis zu 150 Euro wandern für einen edlen Markenfußball über den Ladentisch und die pakistanischen Näher/innen bekommen nur 50 Cent dafür. Zu wenig für eine menschenwürdige Existenz. „Wahnsinn“, sagt der elfjährige Hauptschüler Peter. „Wahnsinn. Da verdient man bei uns ja mindestens zehnmal so viel.“ Engagierte Menschen, wie der ehemalige Entwicklungshelfer Mag. (FH) Gerald Schuster, machen auf diese große Ungerechtigkeit aufmerksam. Heute ist die 1c-Klasse der Hauptschule Linz-Harbach Station des Welthaus-Mitarbeiters, der auf seiner Tour Schülern den fairen Handel als Alternative zur Ausbeutung näher bringt. Etwas für mehr Fairness zu tun, ist eigentlich relativ einfach, erklärt Gerald Schuster. Faire Fußbälle kann man zum Beispiel bei den Eine-Welt-Läden oder übers Internet beziehen (www.jugendeinewelt.at). 22 Euro kostet der „Faire Ball“, der qualitativ hochwertig verarbeitet ist. „Für einen Ball der Größe 5 ist das gar nicht so teuer“, bewertet Hobbyfußballer Peter fachmännisch. Obwohl die Bälle preiswert sind, bekommen die Näher/innen 1 Euro statt 50 Cent Lohn pro Ball. Genug Geld, damit die eigene Familie davon leben und die Schulbildung der Kinder bezahlt werden kann.
Raus aus dem Elend. Was den Fußball betrifft, ticken Jugendliche in Madagaskar, Kenia oder Brasilien wohl ganz ähnlich wie ihre Alterskollegen aus Oberösterreich, meinen die Schüler/innen in der Diskussion. Spaß ist fürs Kicken die beste Motivation. In einem Video sehen sie außerdem, dass Jugendliche in den ärmsten Regionen der Erde Fußball spielen, weil sie auf ein besseres Leben als Profisportler hoffen. Oder um zumindest Hunger und Krieg zu vergessen. „Ich hätte mir nicht gedacht, dass Fußball so wichtig ist in den Entwicklungsländern“, meint Silke (11).
Fetzenlaberl basteln. Von so großer Bedeutung ist Fußball etwa in Kenia, dass dort die Burschen und Mädchen zu besonderen Tricks greifen und sich als Ersatz für teure Lederbälle aus einfachsten Mitteln Fetzenlaberl basteln. Gerald Schuster hat bei seinem einjährigen Kenia-Aufenthalt eine spezielle Bastelmethode aufgeschnappt und zeigt nun den Schüler/innen, wie das geht: Altpapier zusammenknäueln, bis eine große Kugel entsteht, und dann ein Plastiksackerl drüberstüpeln. „Nur der Schluss ist ein bisschen schwierig“, sagt Jasmin, während sie sich mit dem Zusammenknoten plagt. Aber nach ein paar Minuten ist auch das geschafft und die Fetzenlaberln made in Hauptschule Harbach fertig. Und das fast zum Nulltarif. Dem Spielspaß steht nichts mehr im Weg!
- Tipp: Schulen bzw. Fußballvereine, die sich für Workshops über faire Fußbälle interessieren, können sich dafür noch anmelden. E-Mail: gerald.schuster@welthaus.at