Fußball in Oberösterreich in den 1970er-Jahren. Vor der Meisterschaft stellen sich die Neuen bei Chemie Linz vor (v. l.n. r., vorne): Franz Glaser, Franz Edlmayer, Kurt Sturm. Stehend: Ferdinand Weixelbaumer, Günther Holzer. Chemie Linz wurde 1976 Meister in der 1. Klasse Mitte. Foto: Archiv.
Die EURO naht. Fußball erobert erneut die Welt. Spirituelle Übungen, Biersorten, Alltagskleidung, Bücher und Ausstellungen kreisen um das runde Leder. In Linz öffnet das Schlossmuseum die Tore zur heimischen und internationalen Fußballwelt.
„Ohne Vergangenheit gibt es keine Zukunft.“ – Dieser Satz findet sich nicht etwa in einem Lebensratgeber, sondern im Begleitheft zur aktuellen Fußball-Ausstellung. Das Phänomen Fußball wird von mehreren Seiten beleuchtet: Von den Anfängen des Fußballs in China im dritten Jahrhundert vor Christus bis zur Gründung des ersten Wiener Fußball Clubs im Jahr 1894 und dem legendären „Wunderteam“ in den 1930er-Jahren wird der Bogen gespannt. Weiters wird das Verhältnis zu Politik, zu Religion und Starkult thematisiert. Dem Bereich Frauen-Fußball ist ein eigener Raum gewidmet.
Privat-Archive geöffnet. Erinnerungsstücke von Fans, Spielern, Schiedsrichtern dokumentieren die Geschichte des heimischen Fußballs. Die mit viel Engagement zusammengetragenen „Gschichtln“ zu einzelnen Gegenständen und Bildbeiträgen geben dieser Ausstellung dabei einen besonderen Reiz. Einer, der sein Archiv für diese Ausstellung geöffnet hat, ist der heute in Linz lebende Franz M. Glaser (53 Jahre). Als Elfjähriger trainierte er bereits beim ATSV Ottensheim. Talent, Ballgefühl, Flinkheit machten ihn bald zu einem begehrten Mittelstürmer, mehrmals wurde er Torschützenkönig – seine 59 Tore in einer Saison sind bis heute unübertroffen. Engagements bei SV Urfahr, „Blaue Elf Linz“, ATSV Leonding und SV Chemie folgten. Als 17-jähriger Nachwuchsstürmer wurde er 1971 Staatsmeister mit der Juniorenauswahl Oberösterreich.
Prachtspiele in Linz. Glaser war nicht nur ein talentierter Kicker, sondern auch ein guter Archivar. Trikots, Wimpel, Abzeichen und Zeitungsberichte hat er gesammelt und archiviert. So ist in einem Zeitungsbericht vom 2. September 1976 zu lesen: „Chemie Linz lieferte Prachtspiel ... Die Tore fielen wie reife Früchte, eines schöner wie das andere. Das Tor von Glaser zum 3:0, als er einen Flankenball volley übernahm und in die Kreuzecke setzte, wäre reif fürs Tor des Monats oder des Jahres im Fernsehen gewesen.“
Bei einem Rundgang durch die Ausstellungsräume erzählt Glaser Geschichten zu einzelnen Clubs, Spielern und Stars. Mit einem besonderen Foto ist Glaser in einer eigenen Vitrine zu sehen: Es zeigt Fußball-Ikone Pelé aus Brasilien mit dem reiselustigen Franz im Jahr 1974. Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett in London machte es möglich: Der junge Kicker aus Ottensheim nutzte die Chance, sich mit Pelé, dem „jüngsten Weltmeister der Geschichte und dem Weltfußballer des 20. Jahrhunderts“, auf einem Bild zu verewigen. Dem Phänomen „Star und Mannschaft“ ist in der Ausstellung ein Raum gewidmet. Was Fußballer wie Pelé und Maradona auf internationaler Ebene waren, gab es auch national: Helmuth Köglberger und Willy Kreuz waren die „local heroes“, die die Massen bewegten. Auch ihre Geschichte und die der prägenden Klubs wie LASK, SK VÖEST, Vorwärts Steyr und Ried wird näher beleuchtet.
Von Stars bis Philosophen. Heute sind in Oberösterreich in 287 Klubs mehr als 20.000 Spieler/innen aktiv – nur zwei Prozent davon sind weiblich. Fußball hat nicht nur mit Stars und Geld, sondern auch mit Phantasie, Tradition, Identität, Religion – mit Kunst und Können zu tun. Vieles davon ist in die Ausstellung eingeflossen. Selbst für nicht-aktive Fußballer/innen oder „Fußball-Ferne“ ermöglicht diese Schau damit einen Zugang zum Thema Fußball: Philosophisches, Unterhaltsames, Witziges findet sich neben den harten Fakten zur Fußball-Geschichte.
Exklusiv für KIZ-Leser/innen
Kostenlose Führung durch die Fußball-Ausstellung: Schlossmuseum und KirchenZeitung laden die Leser/innen der KirchenZeitung zu einem Ausstellungsbesuch mit kostenloser Führung ein. Am Dienstag, 3. Juni um 15.45 Uhr ist Treffpunkt im Foyer des Schlossmuseums. Um 16 Uhr beginnt die Führung, Dauer: 90 Minuten. Die Führungskosten übernimmt das Schlossmuseum. KIZ-Leser/innen zahlen den ermäßigten Eintrittspreis von Euro 2,50. Max. Teilnehmer-/innenzahl: 30 Personen.
Anmeldung bis 29. Mai erforderlich bei der KirchenZeitung, Tel. 0732/76 10-39 44 bzw. Mail: office@kirchenzeitung.at.
Fußball – Geschichten und Geschichte.
Die Ausstellung ist von 19. Mai bis 20. Juli 2008 im Schlossmuseum Linz geöffnet. Tummelplatz 10, 4010 Linz, Tel. 0732/77 44 19, Öffnungszeiten: Di. bis Fr., 9 – 18, Sa./So./Fei., 10 – 17 Uhr.
Cordoba in Linz. Franz Glaser präsentiert die Original-Fußbälle der WM 1978 in Argentinien, die nun zu sehen sind.
Tipp-Kick. Fußball-Spielen mit den Händen. Spiele, Karten, Videos werden in einem Raum gezeigt, auch selbst zu „kicken“ ist dort möglich.
Fotos: KIZ/Elisabeth Leitner.
Philosophisches
„Alles, was ich über die Moral der Menschen weiß, verdanke ich dem Fußball.“ Zitat von Albert Camus, Philosoph, 1913–1960
„Bei einem Fußballspiel verkompliziert sich alles durch die Anwesenheit der gegnerischen Mannschaft.“ Jean Paul Sartre, Philosoph, 1905–1980.