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über mir, in mir, mit mir

Dreifaltigkeitssonntag (Lesejahr A), 18. Mai 2008
Ausgabe: 2008/20, Sonntag, Wort zum Sonntag, Lioba Hesse, Dreifaltigkeitssonntag, Schutz, Grenzen, Geborgenheit, Gott über mir, Getrenntes, Gebrochenes, geselliger Gott, menschliche Lebensgeschichten, Evangelium, Lesung, Lesungen, Gottes Dynamik begegnen
14.05.2008
Schutz, Grenzen und eine letzte Geborgenheit gebend ist „Gott über mir“. Die Sehnsucht nach Nähe und jemandem an der Seite findet ihr Gegenüber in „Gott mit mir“. „Gott in mir“ schafft Leben, sie/er verbindet Getrenntes und heilt Gebrochenes. Es scheint ein stotterndes Unterfangen zu sein, dieser Glaube an den dreifaltigen Gott. Und doch ist es immer wieder eine leise Ahnung davon, wie „der gesellige Gott“ menschliche Lebensgeschichten berührt.


Evangelium


Joh 3, 16–18

Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird. Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er an den Namen des einzigen Sohnes Gottes nicht geglaubt hat.


1. Lesung


Ex 34, 4b. 5–6. 8–9

Am Morgen stand Mose zeitig auf und ging auf den Sinai hinauf, wie es ihm der Herr aufgetragen hatte. [. . .] Der Herr aber stieg in der Wolke herab und stellte sich dort neben ihn hin. Er rief den Namen Gottes aus. Der Herr ging an ihm vorüber und rief: Gott ist ein barmherziger und gnädiger Gott, langmütig, reich an Huld und Treue. [. . .]
Sofort verneigte sich Mose bis zur Erde und warf sich zu Boden. Er sagte: Wenn ich deine Gnade gefunden habe, mein Herr, dann ziehe doch, mein Herr, mit uns. Es ist zwar ein störrisches Volk, doch vergib uns unsere Schuld und Sünde, und lass uns dein Eigentum sein.


2. Lesung


2 Kor 13, 11–13

Im Übrigen freut euch, kehrt zur Ordnung zurück, lasst euch ermahnen, seid eines Sinnes und lebt in Frieden! Dann wird der Gott der Liebe und des Friedens mit euch sein. Grüßt einander mit dem heiligen Kuss! Es grüßen euch alle Heiligen. Die Gnade Jesu Christi, des Herrn, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!



Mein Herz glaubt und liebt

Gott, ich versuche nicht,
in deine Höhen vorzudringen;
mein Verstand kann dich ja
auf keine Weise erreichen.
Ich wünsche nur, einigermaßen
deine Wahrheit zu begreifen,
die mein Herz glaubt und liebt.
Denn ich suche nicht zu begreifen,
um zu glauben,
sondern ich glaube,
um zu begreifen.

Anselm von Canterbury



Wort zum Sonntag


Gottes Dynamik begegnen

Ich erinnere mich gut an mein Theologiestudium, an das Ringen in der Dogmatik, etwas vom Geheimnis des dreifaltigen Gottes „verstehen“ zu wollen: ein Gott in drei Personen! In einer Vorlesungsmitschrift finde ich den Satz: Im Heiligen Geist als dem Gott in uns können wir den Gott über uns, den Vater, als denjenigen erkennen, der im Sohn der Gott unter uns ist.
Dass hier nicht die Rede war von einem „Ballett himmlischer Gestalten“, verstand ich. Doch was bedeutete der Glaube an eine „gesellige Gottheit“ (Kurt Marti) für mich? Bis heute scheitern meine menschlich begrenzten Versuche, mich diesem Offenbarungsgeheimnis zu nähern. Es ist ein Gott, mit dem ich im Leben nicht fertig werde. Und das ist gut so.

Manchmal ist mir Gott Vater näher – wenn ich Schutz, Grenzen und letzte Geborgenheit suche, wenn ich orientierungslos herumirre und wieder den rechten Platz finden möchte. Doch ein Gott über mir ist auch fremd und unnahbar. So sehne ich mich nach jemanden an meiner Seite, nach einem Lebensmodell, an und in dem ich Identität gewinnen kann. Es ist die Sehnsucht nach einem Gott mit mir, nach Jesus, dem menschgewordenen Sohn Gottes. Manchmal überfordern mich die Ideale seiner Botschaft und seines Tuns. Ich rufe zum Gott in mir, dem Heiligen Geist. Er ist die weibliche Kraft Gottes, der „Beistand“, der mich zur rechten Zeit „alles lehren“ wird. Der Gott in mir deutet mein wechselhaftes Leben durch seine Kraft, die Leben schafft. Er verbindet das Getrennte und heilt das Gebrochene. Er hilft mir, den roten Faden nicht zu verlieren. Ich muss nicht pausenlos begeistert umherrennen!
Ein stotterndes Unterfangen, mein Glaube an den dreifaltig-einen Gott! Doch immer wieder eine leise Ahnung davon, wie die dynamische Geschichte in Gott meine menschliche Lebensgeschichte berührt und mir zugute kommt.

Zum Weiterdenken

Wir sind getauft „im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“. Was bedeutet mir der Glaube an den dreifaltigen Gott?


Lioba Hesse tätig in Ausbildung und Berufsvorbereitung für die Laientheolog/innen der Diözese Feldkirch und als Erwachsenenbildnerin.

Die Autorin erreichen Sie unter

sonntag@kirchenzeitung.at
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