Am 15. Mai war der Tag der Familie, am 1. Juni ist der Tag des Lebens. Dass Lebensqualität und Familien zusammengehören, behauptet Gerald Koller bei einer Veranstaltung der Aktion Leben in Linz.
„Lebensqualität“ wird in den nächsten Jahren das bedeutende Schlagwort, sagen Trendforscher/innen. Statt „Wellness“ werden alle möglichen Produkte also „Lebensqualität“ versprechen.Lebensqualität besteht laut dem Pädagogen und Autor Gerald Koller aus vier Dimensionen:
- Damit sich ein Mensch entfalten kann, braucht er entsprechende politische, wirtschaftliche und natürliche Rahmenbedingungen. Einkommen, Wohnen, Umwelt und Bildungsmöglichkeit spielen eine Rolle. - Soziale Netze: Wir brauchen jemand, dem wir uns mitteilen können, der mit uns fühlt und sich uns mitteilt. Hier sieht Koller den größten Mangel. - Persönliche Lebenskultur: Mehr Freude am Leben hat jemand, der eigene Schwächen zulassen kann und einen Sinn im Leben findet. - Lebensstil: Ernährung, Bewegung, An- und Entspannung, Schlafen.
Gemeinsam ist es schöner. Wie die einzelnen Teile aussehen, ist für jeden Menschen anders und ändert sich ständig. Ein Beispiel, wie man Lebensqualität erkennt, ist für Gerald Koller das Essen: „Ich brauche zuerst etwas zu essen, aber zur Qualität wird diese Nahrungsaufnahme erst, wenn wir Mahlgemeinschaft halten. Gemeinsam essen ist viel schöner.“
Mangel im Überfluss. Im ganzen Überfluss, in dem wir leben, erkennt Gerald Koller einen Mangel. Nämlich den Mangel an Beziehungen und sozialer Unterstützung. „Je mehr wir haben, desto weniger Zeit haben wir, um überhaupt noch Begegnung zu leben“, so Koller. Kaum jemand hat Zeit, andere Menschen zu treffen, ohne dass das einen unmittelbaren Zweck erfüllen muss – „einfach so“. Die Leere, die so entsteht, möchten wir mit noch mehr Konsumgütern füllen, und dafür brauchen wir mehr Geld, müssen mehr arbeiten und haben so noch weniger Zeit für Begegnungen.
Genuss statt Verzicht. Gerade wenn es um die Frage geht, ob jemand Kinder haben möchte oder nicht, reden viele vom Verzicht statt von Genuss. Für Koller selbst ist im Vatersein bei allen Auseinandersetzungen „unglaublich viel Genuss drinnen“. Da geht es um den Genuss der Begegnung, das Leben mit anderen zu genießen.
Mehr Schultern. Eine kinderfreundlicheGesellschaft braucht soziale Netzwerke. „Die Klein- und Kleinstfamilie ist ein Burn-out-Programm“, meint Gerhard Koller: „Wenn nur auf einem Schulterpaar oder bestenfalls auf zwei Schulterpaaren getragen werden muss, was früher zehn Schulterpaare getragenhaben, dann ist klar, dass da ein wesentliches Nest für eine kinderfreundliche Gesellschaft fehlt.“ Hier sieht Koller eine mögliche Aufgabe für die Alten der Gesellschaft. Sie haben nicht mehr den Druck der Eltern, dass alles richtig gehen muss, und könnten „sehr entspannte Begleiter“ sein, die Eltern entlasten.
Reden statt Kontrolle. Das Sprichwort „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ erweitert Gerald Koller um den Zusatz: „Miteinander reden ist das Beste.“ Denn miteinander reden schafft Vertrauen. Wir dürfen nicht sagen: „Erst wenn du das und das erreicht hast, kannst du mitreden.“ Erst wenn das Schwache in unserer Gesellschaft die Mitte hat, dürften wir uns eine christliche Gesellschaft nennen und dann wäre sie auch kinderfreundlicher.