Das Kabarettduo „BlöZinger“ thematisiert mit dem neuen Programm „bis morgen“ das Altwerden. Ein Gespräch über Lampenfieber, das Stigmata des Religionslehrers und die weit verbreitete Haltung, dass früher alles besser war.
In Ihrem Programm bis morgen geht es ums Altwerden geht. Ihr Bezug zum Thema? Blöchl: Ich habe jahrelang in einem Geriatrie Zentrum in Wien als Cliniclown gearbeitet. Man begleitet Menschen auf ihrem letzten Abschnitt. Oft stirbt jemand, den man noch die Woche davor besucht hat. Alter ist halt keine Krankheit und man kann nicht sagen, wann es zu Ende geht.
Im dem Programm nehmen sie die Haltung aufs Korn, dass alles den Bach runtergeht. Wo sind Sie selbst angesiedelt? Beim Optimismus oder beim Pessimismus? Blöchl: Also ich glaube wir sind beide klassische „Das-Glas-ist-halb-voll-Typen“, also eher Optimisten. Ich verstehe die Sichtweise aber gut, dass früher alles besser, einfacher war. Da gibt es den schönen Satz, dass die Vergangenheit die sicherste Form des Daseins ist.
Wenn man älter wird, verklärt man Sachen aus der Jugend? Bei Ihnen auch schon der Fall? Blöchl: Ein lieber Kollege hat einmal gemeint er merkt, dass er älter wird, weil wenn er sich die ganzen Horrorfilme anschaut und Jugendliche umgebracht werden ist er auf Seiten der Täter. So arg ist es nicht. Aber mit jeder nachkommenden Generation werden die Nein-Gefühle mehr.
Penzinger: Das hängt sicher mit dem Alter zusammen, das man sich öfter denkt: Das brauche ich nicht mehr, das tue ich nicht mehr. Das habe ich gemacht, das war nicht gescheit. Blöchl: Etwa durch die Stadt rennen und nur auf das Handy schauen. Das sind natürlich Sachen die auch im Programm vorkommen. Natürlich verstört uns das teilweise, was für die Jugendlichen total normal ist. Aber, Roland, du bist der Ältere: du musst sagen.
Penzinger: Ich habe zwei Kinder und davon einen Jugendlichen in dem Alter, der auch eine Figur im dem aktuellen Stück spielt, und da frage ich mich auch, verstehe ich alles was er gesagt hat? Das sind oft Wortfetzen, Halbsätze oder er mischt Sprachen wo ich mir denke, muss ich nicht haben.
Herr Blöchl, in dem aktuellen BlöZinger-Stück „bis morgen“ geht es ums Altwerden. Wie oft reiben Sie Ihrem Kollegen unter die Nase, dass er der ältere ist? Blöchl: (lacht) Täglich, damit er das nicht vergisst. Er schaut aber blendend aus für sein Alter. Er ist ja über 50. Penzinger: Na, gerade 50. Schönes Alter, so alt musst du einmal werden. Ist keine Selbstverständlichkeit.
Im Programm geht es um die Generation Ihrer Eltern. Haben Sie Sätze im Ohr, die die Ihre Eltern immer gesagt haben? Blöchl: Natürlich. Meine Mama hat im Herbst immer gesagt, wenn ich mir keinen Pulli anziehe, hole ich mir den Tod. Penzinger: Ich merke es bei mir bei meinen Kindern, dass ich Standardsätze meiner Mutter eins zu eins wiederhole. Es wäre so als würde meine Mutter als Souffleuse in meinem Ohr sitzen und das Kommando geben. Und ich denk mir dann nachher: Scheiße, habe ich das jetzt wirklich gesagt?
Wenn Sie den Satz vervollständigen. Alt ist man, wenn… Blöchl: Wenn die Kerzen mehr kosten als der Kuchen. Ein Satz von Bob Hope, den ich unterschreibe würde. Ich glaube, das ist kein Zeitpunkt, das ist eine schleichende Geschichte. Irgendwann wacht man auf und denkt sich: Irgendwas ist anders, aber man weiß nicht was. Aber das ist wohl so wie mit dem Erwachsenwerden. Irgendwann wacht man auf und weiß, dass man erwachsen ist aber auch nicht genau warum. Penzinger: Da war ich nicht dabei Blöchl: Ja. da warst du nicht dabei, aber ich hoffe, das kommt bei dir noch. Ich glaube auch, man wird dann alt, wenn man sich nicht mehr traut was Neues zu beginnen. Solange man das schafft, ist man nicht wirklich alt.
Sie sind seit über zehn Jahren gemeinsam auf der Bühne. Wie geht es Ihnen mit Lampenfieber? Penzinger: Vor der Premiere muss man sich das vorstellen, wie bei einem Tiger im Käfig, der auf und abgeht. Beim Robert kommt noch dazu, dass er alle zwei Minuten, gefühlte Sekunden, aufs Klo geht, da denk ich mir da kann jetzt nichts mehr rauskommen. Blöchl: Ohne Anspannung geht es nicht. Alles was wir schreiben, ist für uns logisch, aber es gibt eben keine Garantie, dass es dem Publikum gefallen wird.
Wie ist Ihre Arbeitsweise, wo fallen Ihnen die Ideen für Stücke und Pointen ein? Blöchl: Die meisten Pointen fallen uns im Kaffeehaus ein. Und viele Pointen passieren beim Proben, manchmal passiert das ganz überraschend.
Sie haben beide bei den CliniClowns begonnen. Was haben die beiden Berufe Clown und Kabarettist gemeinsam? Blöchl: So wie wir es sehen, ist der Sinn von beiden, dass du die Menschen berührst, zum lachen bringst. Penzinger: Wir versuchen auch Clowneskes, Poetisches einzubauen ins Kabarett. Es muss nicht alles ein Schenkelklopfer sein.
Herr Blöchl, sind Sie Religionslehrer, das lassen Sie in der Außendarstellung aber eher unter den Tisch fallen? Blöchl: Weil das hat keiner geglaubt hat. Die Leute sagten immer: Du warst Religionslehrer, das gibt es nicht. Dann habe ich es irgendwann weggelassen. Und die Leute, die mich kennen wissen es sowieso. Das Religionslehrerdasein hat ein gewisses Stigmata. Das Klischee ist, dass ein Religionslehrer leidet. Auf manche mag das zutreffen, bei mir war das anders, ich habe nicht gelitten.
Sie sind auch ins katholische Stiftergymnasium gegangen. Blöchl: Und ich bin in der Linzer Dompfarre groß geworden. Beim Ministrieren habe ich im Übrigen den heutigen Kabarettkollegen Günther Lainer kennen gelernt, der ja auch Religionslehrer ist. Die Kirche war mir nie fremd.
Wie ist die Beziehung zu Kirche heute? Blöchl: Ich bin nicht praktizierender Religionslehrer. Wir sind da unterschiedlich, Roland ist Agnostiker. Wir lassen uns da leben.
Penzinger: Ich bin auf einer kritischen Distanz zu Kirche. Aber es ist schön, weil der Robert Religionslehrer ist, gewisse Fragen zu stellen. Der Robert sagt nie, dass das Katholische das einzig Wahre ist und ist sehr offen. Mit ihm kann gut solche Diskussionen Pro und Contra Kirche führen.
Manche Glaubensfragen kommen auch mit dem Alter vermehrt, etwa was kommt nach dem Tod ist Penzinger: Oder, gibt es die Hölle wirklich? Blöchl: die Fragen hat jeder, die Antworten holt man sich irgendwann. Ich kenne viele Leute im Altersheim, die gerade in der letzten Phase ihres Lebens auf diese Frage anspringen.
Herr Penzinger, Sie haben schon in vielen, teilweise ungewöhnlichen Berufen gearbeitet. Bevor Sie Kabarettist wurden, werkten Sie als Koch, Dekorateur, Parkplatzmarkierer, im Kindergarten. Was hat am meisten Spaß gemacht? Penzinger: Eigentlich alles, Kochen hat mir viel Spaß gemacht, Parkplatzmarkieren auch. Im Kindergarten war es aber auch besonders schön. Ich bin diplomierter Spiel- und Freizeitpädagoge und die Arbeit mit Kindern hat mir immer schon gefallen. Schneemannbauen, Rodeln, Puppenküche spielen, das war einfach toll.
Wurde bei einem Ihrer Auftritte bei einer Pointe schon einmal nicht gelacht? Blöchl: Das kommt schon vor. Penzinger: Es ist schon mal vorgekommen, dass wir beim Schreiben Tränen gelacht haben und dann haben wir es einmal auf der Bühne probiert und keiner hat gelacht. Dann haben wir es rausgestrichen. Blöchl: Wenn was regelmäßig nicht funktioniert, kommt es einfach weg. Pointen sind immer eine gefährliche Sache. Ohne Pointen nimmt man die Leute, die Möglichkeit, dass sie schwere Kost gut aufnehmen können. Wenn man aber nur auf die Pointen geht, transportiert man irgendwann nichts mehr. Der Mittelweg ist schwierig. Penzinger: oft ist es nicht der Schenkelklopfer, sondern die Situation zwischen uns, die es lustig macht.
Gehen Sie selbst gerne zu Kollegen, wenn Sie lachen wollen? Blöchl: Ich gehen gerne ins Kabarett, einfach weil ich gerne lache. Penzinger: Wir waren einmal bei Kollegen zuschauen, das hat „Schwarzer Humor“ geheißen, die haben einen wirklich blöden Witz erzählt haben und der Robert und ich waren die einzigen die wirklich herzhaft lachen haben können. Das ist auch wichtig beim Humor. Man darf sich selbst nicht zensieren, wo man lachen darf und wo nicht. Blöchl: Ohne Humor gibt es keine Distanz und keine Verarbeitungsmöglichkeiten von Themen. In jedem Tragischen gibt es auch was Komisches.
Wenn Sie am 20. Oktober in Linz spielen ist das praktisch ein richtiges Heimspiel. Gibt es Unterschiede zum Publikum in Wien? Penzinger: Das schräge ist, dass viele Wiener Kollegen sage, dass Linzer Publikum ist schwierig, ich kann das aber nicht bestätigen. Blöchl: Ganz im Gegenteil, wir kennen in Linz natürlich viele Leute persönlich, die zu uns in Kabarett kommen. Das macht uns natürlich Spaß, der Druck ist dann natürlich größer. Penzinger: Meine Mama kommt auch immer. Aber die setzt mich nicht unter Druck.
Welchen Rat würden die alten Protagonisten des Kabarettprogramms "bis morgen" den Jüngeren geben? Blöchl: Der Hauptratschlag ist, dass man nicht alles nur auf später verschieben soll. Man soll heute mit dem anfangen, was man sich schon seit 20 Jahren vorgenommen hat.
Aufführung
Am Donnerstag, 20. Oktober (20 Uhr) feiert das BlöZinger-Stück „bis morgen“ Oberösterreich-Premiere im Posthof in Linz.
BlöZinger
Ist eine Fusion der beiden NachnamenBLÖchl & penZINGER. Beide Kabarettisten stammen aus Linz. Kennengelernt hat sich das Duo 2001 bei den CliniClowns. Beide leben in Wien.