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König Salomo und Neuwahlen

17. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr A), 27. Juli 2008
Ausgabe: 2008/30, Sonntag, König Salomo, Neuwahlen, Hören, Gut, Böse
23.07.2008
Damit er sein großes Volk regieren und das Gute vom Bösen unterscheiden könne, dazu wünscht sich der junge Salomo – gerade erst war er König geworden – ein hörendes Herz. Salomo kann aber nicht nur als Ideal für Politiker/innen verstanden werden. Auch für Wähler/innen gilt, genau zu unterscheiden, was sie zu hören bekommen.

1. Lesung 1 Kön 3, 5. 7–12


In Gibeon erschien der Herr dem Salomo nachts in einem Traum und forderte ihn auf: Sprich eine Bitte aus, die ich dir gewähren soll. [. . .] (Salomo sprach:) So hast du jetzt, Herr, mein Gott, deinen Knecht anstelle meines Vaters David zum König gemacht. Doch ich bin noch sehr jung und weiß nicht, wie ich mich als König verhalten soll. Dein Knecht steht aber mitten in deinem Volk, das du erwählt hast: einem großen Volk, das man wegen seiner Menge nicht zählen und nicht schätzen kann. Verleih daher deinem Knecht ein hörendes Herz, damit er dein Volk zu regieren und das Gute vom Bösen zu unterscheiden versteht. Wer könnte sonst dieses mächtige Volk regieren? Es gefiel dem Herrn, dass Salomo diese Bitte aussprach. Daher antwortete ihm Gott: Weil du gerade diese Bitte ausgesprochen hast und nicht um langes Leben, Reichtum oder um den Tod deiner Feinde, sondern um Einsicht gebeten hast, um auf das Recht zu hören, werde ich deine Bitte erfüllen. Sieh, ich gebe dir ein so weises und verständiges Herz, dass keiner vor dir war und keiner nach dir kommen wird, der dir gleicht.

2. Lesung Röm 8, 28–30


Wir wissen, dass Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt, bei denen, die nach seinem ewigen Plan berufen sind; denn alle, die er im Voraus erkannt hat, hat er auch im Voraus dazu bestimmt, an Wesen und Gestalt seines Sohnes teilzuhaben, damit dieser der Erstgeborene von vielen Brüdern sei. Die aber, die er vorausbestimmt hat, hat er auch berufen, und die er berufen hat, hat er auch gerecht gemacht; die er aber gerecht gemacht hat, die hat er auch verherrlicht.

Evangelium Mt 13, 44–52


Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war. Ein Mann entdeckte ihn, grub ihn aber wieder ein. Und in seiner Freude verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte den Acker. Auch ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte. Als er eine besonders wertvolle Perle fand, verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte sie. Weiter ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Netz, das man ins Meer warf, um Fische aller Art zu fangen. Als es voll war, zogen es die Fischer ans Ufer; sie setzen sich, lasen die guten Fische aus und legten sie in Körbe, die schlechten aber warfen sie weg. So wird es auch am Ende der Welt sein: Die Engel werden kommen und die Bösen von den Gerechten trennen und in den Ofen werfen, in dem das Feuer brennt. Dort werden sie heulen und mit den Zähnen knirschen. Habt ihr das alles verstanden? Sie antworteten: Ja. Da sagte er zu ihnen: Jeder Schriftgelehrte also, der ein Jünger des Himmelreiches geworden ist, gleicht einem Hausherrn, der aus seinem reichen Vorrat Altes und Neues hervorholt.





Wort zum Sonntag


Ein hörendes Herz


Da lag sie vor mir auf dem Tisch, die Zeitung, auf der ersten Seite die Nachricht vom Ende der großen Koalition. Diese Titelseite begleitet mich in meinem Blick auf die Lesungstexte des Sonntags. Der Text aus dem Ersten Testament spricht über die Qualitäten eines Politikers. Er spricht über einen idealen Politiker, über Salomo, den dritten großen König in der Geschichte Israels. Dieser junge König steht ganz am Beginn seiner langen Herrschaft. Sein Vater David ist gestorben und hat ihm ein schweres Erbe hinterlassen. Salomo hat sich erst in einer blutigen Auseinandersetzung gegen seine Brüder durchsetzen müssen. Gott fordert ihn auf, sich etwas von ihm zu wünschen. Der junge König wünscht sich „ein hörendes Herz, damit er dein Volk zu regieren und das Gute vom Bösen zu unterscheiden versteht“.

Das Bild, das der biblische Schriftsteller von einem Politiker zeichnet, ist berührend. Ein idealer Politiker zeichnet sich nicht durch seinen Machtwillen, seine List, Beredsamkeit oder Stärke aus. Es ist nicht seine Ideologie, die ihn zu einem guten Politiker macht. Ein idealer Politiker hat ein hörendes Herz. In der biblischen Vorstellungswelt war das Herz das Bild für das innerste Wesen des Menschen. Es ist der Sitz der praktischen Vernunft, aber auch des Gewissens. Ein offenes Herz bedeutet, dass sich dieser Herrscher nicht in sich und seine eigenen Interessen einmauert, sondern offen ist für seine Umwelt und für die Gesellschaft. Gott gefällt der Wunsch des jungen Königs so gut, dass er ihm Reichtum und Ehre ungefragt dazugibt. In der Zeit des heurigen sommerlich-herbstlichen Wahlkampfes lohnt es sich auch für uns, um Politiker und Politikerinnen mit offenem Herzen zu beten.

Zum Weiterdenken


Wir sind in unserem täglichen Leben oft so in uns selbst und unseren Vorurteilen und Meinungen gefangen, dass wir die Wirklichkeit nicht mehr wahrnehmen können. Welche neuen Möglichkeiten würde uns da ein „hörendes Herz“ für unsere Beziehungen und uns selbst eröffnen?
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