2000 Jahre Paulus: Er lebte seinen Glauben ohne „Rückversicherung“
Ausgabe: 2008/30, Paulus, Teil 5, Kinder Gottes, Kinder, Freiheit, 2000 Jahre
23.07.2008
Transparent am Pfarrzentrum Salzburg-St. Paul anlässlich des Paulusjahres. Diese auffälligen, großformatigen Botschaften wurden erstmals in dieser Form mit insgesamt 20 Bibelzitaten bei der Aktionswoche „Offener Himmel“ in der Stadt Salzburg (Oktober 2005) eingesetzt.
Religiöse Gesetze dienen der Ordnung und Lebensgestaltung. Sie können aber auch zum Zwang werden, so dass sie nicht mehr hilfreich sind und sogar die Beziehung zu Gott verdunkeln. Deshalb haben die Menschen, die Paulus für den Glauben an Christus gewonnen hat, mit großer Erleichterung die Befreiung von Gesetzesvorschriften wahrgenommen. Es zählt allein der vertrauende Glaube an Jesus Christus, der sich in Liebe auswirkt (Gal 5, 6). (Siehe auch Kasten rechts unten)
Ängstlichkeit. Nach anfänglicher Begeisterung macht die Erlaubnis zur Freiheit die Galater eher ängstlich. Genügen wirklich Vertrauen, Glaube, Hoffnung und Liebe? Darf man auf religiöse Gesetze, Formen und Riten verzichten, ohne aus der Beziehung zu Gott herauszufallen? Macht man es sich damit nicht zu leicht?
Zu anspruchsvoll. Ungefähr vor 40 Jahren ist im Gefolge des II. Vatikanischen Konzils auch bei uns viel Druck in der Kirche weggefallen. Und man konnte einige Jahre später auch dort und da Aussagen hören wie „Sagt uns endlich wieder, was zu tun ist!“, „Man weiß ja nicht mehr, was richtig ist!“ Die gewonnene Freiheit ist manchen zu anspruchsvoll und herausfordernd.
Vertrauen und Mut. Aber zurück nach Galatien: Als Paulus merkt, was bei den Galatern vorgeht, reagiert er zornig. Ihr Bedürfnis nach Absicherung im Glauben und Einhaltung alter Vorschriften empfindet er als Rückfall. Paulus ermutigt die Christen und Christinnen, ihr Leben in der Kraft des Geistes zu führen, die frei macht. Die Freiheit, zu der er aufruft, ist nicht mit Willkür zu verwechseln. Die Worte „Denn das ganze Gesetz ist in einem Wort erfüllt, in dem: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (Gal 5, 14) machen das deutlich. Paulus erinnert daran, dass wir Söhne und Töchter Gottes sind. Wir müssen uns die Liebe Gottes nicht verdienen, die Liebe ist ein Geschenk.
Paulus ein Seelsorger. Was Paulus zu dieser heftigen Kritik am Festhalten an Vorschriften und Gesetzen bewegt, ist nicht Missachtung des Judentums und des jüdischen Gesetzes. Seine Motivation ist eine durch und durch positive. Er empfindet sich und sein Leben unendlich bereichert von der Erfahrung der bedingungslosen Liebe und Gnade Gottes. Diese Erfahrung weiterzugeben war seine ganze Leidenschaft.
(Letzte Folge der Reihe)
Paulus. Mensch und Apostel Jesu
Eine 5-teilige Reihe von
Mag. Ingrid Leitner Mag. Margarita Paulus Mag. Peter Hausberger
Verwendete Literatur: Wilhelm Egger, Galaterbrief, Philipperbrief, Philemonbrief, Echter Verlag Würzburg, 2000 (4). Grundkurs Bibel – Neues Testament. 6. Kursteil: Paulus – Zeuge und Apostel Jesu Christi. Stuttgart 1989 und 2002.
Freiheit, nicht Sklaverei
Für die Freiheit hat Christus uns freigemacht. Steht also fest und lasst euch nicht wieder durch ein Joch der Sklaverei belasten! Denn ihr seid zur Freiheit berufen worden … Dient einander durch die Liebe! Denn das ganze Gesetz ist in einem Wort erfüllt, in dem: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“