Die andere Art der Geldanlage: sozial und nachhaltig
Ausgabe: 2008/34, Starthilfe, Geldanlage, Püspök, Mikokredit, Kirchen, Holland
20.08.2008
Der neue Vorstandsvorsitzende von Oiko-credit Austria, Peter Püspök, hat große Pläne. In den nächsten drei Jahren will er das Anlagekapital von 7,5 auf 20 Millionen Euro steigern. Damit soll Menschen in der „Dritten Welt“ nachhaltig geholfen werden.
„Wir investieren in die Zukunft armer und benachteiligter Menschen. Unsere Mikrokredite geben Menschen in armen Ländern die Chance, auf eigenen Füßen zu stehen und ihre Lebensbedingungen zu verbessern“, betont Peter Püspök. Gilda Ponte, eine philippinische Frau, die früher ihre Familie nicht ernähren konnte und jetzt erfolgreich einen Obst- und Gemüsestand betreibt, ist eine von ihnen. Oder El CEIBO, eine Gruppe lateinamerikanischer Kleinbauern, kann dank einer neuen Maschine ihren Kakao besser exportieren.
Überzeugend. Oikocredit wurde 1975 von den Kirchen in Holland als ökumenische Genossenschaft gegründet. Inzwischen hat sich die Trägerbasis verbreitert. Die Arbeitsweise ist einfach: Gruppen, Institutionen, kirchliche Einrichtungen und Privatpersonen werden ersucht, dass sie einen Teil ihres Ersparten bei Oikocredit veranlagen. Das Geld wird in den armen Ländern (vorwiegend) Frauen und Männern als Kleinkredit zur Existenzgründung zur Verfügung gestellt. Auch Produktions- und Vermarktungsgenossenschaften werden unterstützt. „Wir schenken kein Geld her, sondern geben den Leuten, die, wenn überhaupt, oft nur von dubiosen Kredithaien Geld bekommen, günstige Darlehen. Und die über dreißigjährige Erfahrung zeigt, dass 99 Prozent das Geld auch zurückzahlen“, meint Püspök. Von den erwirtschafteten Erträgen (Zinsen) erhalten die Anleger bis zu zwei Prozent Dividende, die restlichen Erträge (ca. 2%) sind eine Art Förderbeitrag. Püspök rechnet vor: „Mit 1000 Euro Einlage kann ich zehn bis 20 Mikokredite vergeben. Das kostet mich rund 20 Euro im Jahr.“ Europaweit hat Oikocredit ein Mitgliedskapital von 322 Millionen Euro, mit dem Projekte in 66 Ländern unterstützt werden. In Österreich gibt es Oikocredit seit 1990. Das Einlagekapital der rund 1000 Anleger/innen beträgt 7,5 Millionen Euro.