Filmfestival zum Thema „Grenzen als Barrieren – Grenzen als Brücken“
Ausgabe: 2008/34, Neue Heimatfilm, Freistadt
20.08.2008
- Markus Vorauer
Das Festival „Der Neue Heimatfilm” findet heuer von 27. bis 31. August statt. Bereits zum 21. Mal wird Freistadt damit zum Präsentationsforum internationaler Filme. Von Marktl am Inn, dem Geburtsort von Papst Benedikt XVI., bis Russland reicht der geographische Bogen der gezeigten Filme.
25 Filmschaffende werden, wie immer in familiärer Atmosphäre, ihre Filme persönlich vorstellen. Zum ersten Mal wird es auch an vier Festivaltagen Konzerte im Salzhof geben. Das kleine Festival gerät dadurch schön langsam an die Organisationsgrenzen, was aber den mittlerweile guten Ruf auch im Ausland belegt. Viele Filmemacher kehren immer wieder gerne ins Mühlviertel zurück. So auch der italienische Regisseur und Schauspieler Corso Salani, der mit seinem sechsteiligen Zyklus „Confini d’Europa“ (Grenzen Europas) gewissermaßen einen wichtigen Themenkreis für heuer vorgibt. Er dringt dabei in Gebiete Europas vor, die abseits der Massentourismusströme existieren, mit gesellschaftspolitischen Besonderheiten, die medial totgeschwiegen werden.
Papstbegeisterung im Film. So ein Ort war bis April 2005 auch Marktl am Inn, der Geburtsort von Papst Benedikt XVI. Wie die Papstwahl eine Dorfgemeinschaft in ihrer Identität verändert, belegt einer der beiden Eröffnungsfilme. In „Wir sind Papst! – Marktl am Inn“ verfolgt der Regisseur Mickel Rentsch die Vermarkt(l)ung der Papstbegeisterung auf sensible Weise, ohne die Einwohner bloßzustellen. Da finden sich fast schon surreal wirkende Szenen wie die Versammlung von 2000 Leuten auf dem Marktplatz, die gespannt dem Funkkontakt mit dem dem Ort überfliegenden Papst lauschen, der sich auf einem Rückflug von Köln nach Rom befindet.
Massenrummel und Einsamkeit. Dem Massenrummel hat sich der Mönch Anatoly in Pavel Lunygins großartigem Film „Ostrov“ (Die Insel) durch den Rückzug auf eine abgelegene Insel entzogen. Er hat im Krieg einen Menschen getötet, wird von dieser Sünde verfolgt, ist aber als Heiliger und Wunderheiler allseits bekannt, sodass von überall her Menschen zu ihm pilgern. Lungins Film ist eine Parabel über das moderne Russland, deren beeindruckende Bildsprache einen ebenso wenig loslässt wie jene aus „Izgnanie“ (Die Verbannung) von Andrej Swaginzew, des zweiten russischen Films, der in Freistadt gezeigt wird, in dem ebenfalls die Hauptfigur von ihrer Vergangenheit in einer einsamen Landschaft eingeholt wird.
Grenzen. Die Metapher der Grenze als Barriere, aber auch als Brücke ist das bestimmende Thema, das heuer in vielen Filmen anvisiert wird. Die traditionellen Schwerpunkte mit Ländern wie Israel, Italien und Südost- und Osteuropa, die in ihrer Geschichte bis heute immer wieder mit dem Problem der Grenze konfrontiert waren, ermöglichen Einblicke, die angesichts der Ereignisse in Georgien aktueller nicht sein könnten. Mit 12 Spielfilmen, 23 Dokumentarfilmen und 4 Konzerten wird in Freistadt ein dichtes, spannendes Programm geboten.
Info & Karten: Local-Bühne Freistadt, Tel. 07942/777 33, www.local-buehne.at