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Profit durch Ausbeutung

Ausgabe: 2008/34, Sportartikel, Peking, Sommerspiele, Arbeit, Wong, ITUC, Boykott, Königshofer
21.08.2008
- Susanne Huber
Im Hinblick auf die Olympischen Sommerspiele in Peking rechnen die Sportbekleidungsfirmen mit Gewinnen in Millionenhöhe. Trostlos hingegen ist die Situation der Arbeiter/innen in den Produktionsländern wie etwa in China. Ihr Alltag ist geprägt von langen Arbeitszeiten, Hungerlöhnen und menschenverachtenden Arbeitsbedingungen.

13 Stunden Arbeitszeit täglich, monatelanges Durcharbeiten ohne Urlaub, keine Arbeitsverträge. „Ich bin todmüde, keiner von uns hat Zeit, um auf die Toilette zu gehen oder Wasser zu trinken. Wir arbeiten ohne Pause und trotzdem drängen uns die Aufseher, noch schneller zu arbeiten“, erzählt eine chinesische Arbeiterin, die Sportschuhe für New Balance im chineischen Dongguan herstellt. Dazu kommt, dass trotz exzessiver Arbeit die Betroffenen unter Armut leiden.

Hungerlohn. Es sind vor allem Frauen, die in prekären Arbeitssituationen tätig sind. Rund 80 Prozent der Beschäftigten in der Bekleidungsindustrie sind weiblich. Eine Näherin, die Rucksäcke mit dem Olympischen Logo „Beijing 2008“ fertigt, verdient etwa 2,4 Euro pro Tag. Eine Arbeiterin in einer Fabrik in Südchina verdient bei einer 40-Stunden-Woche durchschnittlich nur 60 bis 70 Euro im Monat. „Das ist nicht genug. Um in der Stadt überleben zu können, müssen die Arbeiter/innen oft bis zu 36 Überstunden pro Woche machen“, erzählt Staphany Wong vom Internationalen Gewerkschaftsbund in Hongkong. „Wenn die Näher/innen dann etwas an ihrer misslichen Situation ändern wollen und sich gewerkschaftlich organisieren, werden sie entlassen, verhaftet oder es droht ihnen Gewalt“, sagt Wong, die kürzlich in Österreich über die Situation in China sprach.

Bericht. Obwohl die großen Markenartikelhersteller wie Adidas, Nike, New Balance, Puma und Reebok teilweise schon seit 15 Jahren über Verhaltenskodizes verfügen, macht der Play Fair-Bericht der internationalen Kampagne „Play-Fair 2008“ (siehe Stichwort) deutlich, dass sich die Situation für die Arbeiter/innen kaum verbessert hat. Der Bericht stellt vier Schlüsselbereiche heraus, gegen die die Sportbekleidungsindustrie etwas unternehmen muss: Niedriglöhne, Missbrauch von Kurzzeitverträgen und anderen prekären Beschäftigungsformen, Verstöße gegen die Vereinigungsfreiheit und das Recht auf Kollektivverhandlungen sowie Betriebsschließungen aufgrund von Umstrukturierungen. „Dieser Bericht setzt der Sportbekleidungsindustrie klare Ziele, die sie erfüllen muss, um wirklich Fortschritte für die Arbeiter/innen zu erzielen. Wir fordern die Vertreter/innen der Branche, der Sportorganisationen und der Politik dringend auf, sich dieser Verantwortung zu stellen“, so Michaela Königshofer, Koordinatorin der Clean Clothes Campagne, welche die „Play Fair 2008“-Kampagne unterstützt.

Kein Boykott. Was jede/r einzelne Konsument/in tun kann, um der vorherrschenden Ausbeutung von Arbeiter/innen in der Sportartikelindustrie gegenzusteuern: „Auf gar keinen Fall boykottieren. Dadurch wird die Situation für die Betroffenen noch schlimmer, denn Boykott bedeutet Arbeitslosigkeit“, sagt Staphany Wong. Sie schlage vor, den Druck auf die Unternehmen zu erhöhen. „An einem Turnschuh, der in Österreich etwa 100 Euro kostet, gehen 75 Prozent an das Unternehmen. Für die Arbeitskraft bleiben ca. 30 Cent. Adidas zahlte Schätzungen zufolge zwischen 80 und 100 Millionen US-Dollar, um offizieller Sponsor der Olympischen Spiele zu werden. Doch auf Investitionen für menschenwürdige Produktionsbedingungen und höhere Löhne wird verzichtet.“ Konsument/innen können faire Arbeitsbedingungen und fair produzierte Kleidung und Schuhe mittels Petitionen einfordern, so Karin Pelzer von der Frauensolidarität, die sich in dem Bereich ebenfalls engagiert.




Stichwort

Play-Fair-Kampagne

Die internationale Kampagne „Play Fair 2008“ setzt sich für faire Arbeitsbedingungen in der Sportbekleidungsindustrie ein. In Österreich wird „Play Fair 2008“ von der Clean Clothes Kampagne, vom ÖGB und der Volkshilfe getragen. Die Bilanz: Mehr als 12.000 Unterschriften alleine in Österreich, zehntausende Unterschriften weltweit, 168 Organisationen aus 35 Ländern haben sich beteiligt, und das klare Bekenntnis des Österreichischen Olympischen Comités, die Forderungen nach fairen sozialen Standards in der weltweiten Sportbekleidungsindustrie zu unterstützen.

- www.cleanclothes.at
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