Ein Gottesdienst mit Kranken und Behinderten war am Montag die letzte Station der viertägigen Reise von Papst Benedikt nach Frankreich. In Lourdes kam der Papst den Menschen als schlichter und einfühlsamer Seelsorger besonders nahe.
Die stärkste „Waffe“ des Papstes sei nicht sein scharfer Verstand, sondern seine schlichte Bescheidenheit und tiefe Gläubigkeit. So fasste einer der engsten Vertrauten von Benedikt XVI., der Jesuit und Pressesprecher des Vatikans, Federico Lombardi, seine Eindrücke der viertägigen Frankreichreise zusammen. Für Lombardi zeigten die intensiven Stunden in Lourdes, dass der Papst nach den Auftritten in der intellektuellen und politischen Arena von Paris „nun an der Quelle“ verweilte. „Hier zählen nicht die geschliffenen Formulierungen des Theologen, sondern die persönlichen sprirituellen Erfahrungen und Wurzeln.“
Gottsuche. Zum Auftakt seines Frankreichbesuches hielt Papst Benedikt in Paris zwei bedeutsame Reden. Beim offiziellen Staatsempfang im Élysée-Palast forderte der Papst von den politischen Eliten nachdrücklich mehr Einsatz zur Überwindung der globalen ökologischen und entwicklungspolitischen Probleme. Es sei an der Zeit, „konstruktivere Vorschläge zu machen“, um das Wohl der kommenden Generationen zu sichern und den Skandal des Hungers in der Welt zu überwinden. In seiner theologisch dichten Rede im „Collége des Bernardins“ ging der Papst vor 700 Intellektuellen und Kulturschaffenden ausführlich auf die geschichtliche Entwicklung und geistig-kulturelle Bedeutung der „Gottsuche“ in Europa ein. Eine Kultur, die religiöse und theologische Fragen in den Privatbereich verweise und für unwissenschaftlich erkläre, sei eine „Kapitulation der Vernunft und ein Absturz der Humanität“. Die Suche nach Gott, auch wenn viele Menschen ihn heute nicht kennen, bleibe die Grundlage wahrer Kultur, betonte der Papst.
Liebe leben. Mit dem Gottesdienst vor dem Pariser Invalidendom erreichte der Papstbesuch am Samstag einen ersten Höhepunkt. Mit 250.000 Besucher/innen waren deutlich mehr gekommen, als die Veranstalter gerechnet hatten. An die 60.000 Jugendliche hatten trotz Regens die ganze Nacht vor dem Dom ausgeharrt. Ihnen verlieh eine Pariser Sonntagszeitung den Titel „Generation Benedikt“. Der Papst rief die Menschen zu einer hoffnungsfrohen Gläubigkeit auf und warnte vor den Götzen der Moderne. Ganz Seelsorger war Papst Benedikt bei den Gottesdiensten und Begegnungen in Lourdes. Mit tiefem Verständnis für die Herausforderung durch das Leid wandte er sich an die Kranken und sprach ihnen mit dem Verweis auf den mitleidenden Christus Trost zu. Er rief zur Solidarität mit den Opfern von Gewalt und Katastrophen sowie mit Arbeitslosen, Kranken, Einsamen und Migranten auf. „Maria lehrt uns“, so der Papst, „aus dem Gebet einen Beweis der Liebe zu Gott und zum Nächsten zu machen.“
Zur Sache
Stationen
Staatspräsident Nicolas Sarkozy und Papst Benedikt traten für einen aktiven Dialog zwischen Politik und Religionen ein. Das sei kein Widerspruch zu der langen „laizistischen“ Tradition in Frankreich (Trennung von Kirche und Staat), sondern ein „Gebot der Vernunft“ in unserem Jahrhundert, betonte Sarkozy. In seiner Grundsatzrede vor Intellektuellen bezeichnete der Papst die Ausgrenzung der Religion in Kultur, Wissenschaft und Gesellschaft als „Kapitulation der Vernunft“. In der Erscheinungsgrotte von Lourdes betete der Papst für die Opfer von Hass und Ungerechtigkeit und für Kranke und Leidende. Mit einem Gottesdienst mit Kranken und Behinderten verabschiedete sich der Papst aus Lourdes.