Um Palästinenser/innen und Israelis zu begegnen, die sich um Verständigung und Frieden bemühen – dazu besuchten 24 Mitglieder vonPax Christi Österreich mit Bischof Manfred Scheuer das Heilige Land.
Obwohl in Hebron das Grabmal Abrahams verehrt wird, ist die Stadt schon jahrelang nicht mehr Ziel von Heilig-Land-Pilgern. Radikale jüdische Siedler haben sich im Zentrum Hebrons niedergelassen und machen – beschützt vom israelischen Militär – den palästinensischen Bewohnern das Leben „zur Hölle“. Immer wieder kommt es daher zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Diesen Brennpunkt hat Pax Christi besucht. Mitten unter den Konfliktparteien leben Mitarbeiter des „Ökumenischen Begleitdienstes“. Der Name ist Programm: Man begleitet die palästinensischen Kinder zur Schule und versucht durch die Anwesenheit in der Stadt mäßigend zu wirken. „Es war erschreckend zu sehen mit welcher Brutalität die Siedler agieren“, erzählt der Pax-Christi-Aktivist Andreas Paul.
Die Verantwortung Israels. Gerade im Blick auf Hebron müsse man klar sagen, dass Israel die militärisch und politisch stärkere Seite sei und daher mehr Verantwortung trage, betont Paul. Doch er setzt sofort ein Aber nach: „Für Pax Christi gibt es keine nationale Parteilichkeit. Wir stehen auf der Seite der Menschen, Palästinenser und Israelis, die sich um einen gerechten Frieden bemühen.“
Sinn des Einsatzes. Auch auf israelischem Staatsgebiet sind die Pax-Christi-Leute mit Friedensgruppen zusammengetroffen wie zum Beispiel mit den Machsom Watch Frauen. Diese versuchen an Checkpoints die israelischen Soldaten an Übergriffen zu hindern. Friede scheint weiter entfernt denn je zu sein, ist zurzeit die Stimmung im Land. Umso beeindruckender ist der Einsatz der vielen Menschenrechtsgruppen. Ein israelischer Friedensaktivist hat den Sinn des Engagements so auf den Punkt gebracht: „Die politische Friedenslösung muss von oben, die Versöhnung kann jedoch nur von unten kommen.“
Zur Sache
Das Leid der anderen
Bischof Manfred Scheuer, Präsident von Pax Christi Österreich, begleitete die Gruppe ins Heilige Land. Seine Eindrücke: Mich hat auf palästinensischer Seite die Kraft beeindruckt, mit der Menschen verhindern, dass die Trennmauer zur alles bestimmenden Kraft ihres Alltags wird. Dass sie trotz allem lachen und feiern können. Und solidarisch sind, wie wir es in der Oasis-Tagesheimstätte, einer Einrichtung für Behinderte in Beit Sahour, gesehen haben. Wenn es Zeichen der Hoffnung gibt, dann sind das diese Menschen, die sich entschlossen haben zu leben und nicht aufzugeben. Wir haben auch viele irritierende Erfahrungen gemacht: Es ist nicht einfach zu sagen, wer an den Hebeln von Frieden und Krieg sitzt. Schuldzuwei-sungen helfen niemandem. Wichtig ist, dass Israelis und Palästinenser jeweils das Leid der anderen wahrnehmen. Ein Gesprächspartner hat uns gesagt: „Es gibt keine Sicherheit für Israel ohne Freiheit für die Palästinenser und keine Freiheit für die Palästinenser ohne die Anerkennung Israels.“ Was ich bei der Reise erlebt habe, werde ich auch auf ökumenischer Ebene zur Sprache bringen. Ich denke, wir sollten das Gebet um den Frieden stärken und überlegen, ob wir nicht den ökumenischen Begleitdienst in Hebron unterstützen sollten.