25. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr A), 21. September 2008
Ausgabe: 2008/38, Sonntag, Poxrucker, Himmel, 25. Sonntag im Jahreskreis, Martin Gutl, Gerechtigkeit, Mattäus, Jesaja, Philister, Lohn, Gleichnis , Himmelreich, Leistung, Erfolg
22.09.2008
Jesus beschreibt seinen Vater im Himmel als einen Boss, der eine besondere Form der Gerechtigkeit umsetzt. Ihm geht es nicht um Leistung und Erfolg. Er ist nicht berechnend, sondern will Gutes tun, und er ist der Meinung, dass jede/r Arbeiter/in, der/die bereit war, ihm zu folgen und Einsatz gezeigt hat, den gleichen Lohn verdient hat . . .
Evangelium
Mt 20, 1–16
Denn mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Gutsbesitzer, der früh am Morgen sein Haus verließ, um Arbeiter für seinen Weinberg anzuwerben. Er einigte sich mit den Arbeitern auf einen Denar für den Tag und schickte sie in seinen Weinberg. Um die dritte Stunde ging er wieder auf den Markt und sah andere dastehen, die keine Arbeit hatten. Er sagte zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! Ich werde euch geben, was recht ist. Und sie gingen. Um die sechste und um die neunte Stunde ging der Gutsherr wieder auf den Markt und machte es ebenso. Als er um die elfte Stunde noch einmal hinging, traf er wieder einige, die dort herumstanden. Er sagte zu ihnen: Was steht ihr hier den ganzen Tag untätig herum? Sie antworteten: Niemand hat uns angeworben. Da sagte er zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! Als es nun Abend geworden war, sagte der Besitzer des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter und zahl ihnen den Lohn aus, angefangen bei den Letzten, bis hin zu den Ersten. Da kamen die Männer, die er um die elfte Stunde angeworben hatte, und jeder erhielt einen Denar. Als dann die Ersten an der Reihe waren, glaubten sie mehr zu bekommen. Aber auch sie erhielten nur einen Denar. Da begannen sie über den Gutsherrn zu murren und sagten: Diese Letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleichgestellt; aber wir haben den ganzen Tag über die Last der Arbeit und die Hitze ertragen. Da erwiderte er einem von ihnen: Mein Freund, dir geschieht kein Unrecht. Hast du nicht einen Denar mit mir vereinbart? Nimm dein Geld und geh! Ich will dem Letzten ebenso viel geben wie dir. Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will? Oder bist du neidisch, weil ich zu anderen gütig bin? So werden die Letzten die Ersten sein und die Ersten die Letzten.
1. Lesung
Jes 55, 6–9
Sucht den Herrn, solange er sich finden lässt, ruft ihn an, solange er nahe ist. Der Ruchlose soll seinen Weg verlassen, der Frevler seine Pläne. Er kehre um zum Herrn, damit er Erbarmen hat mit ihm, und zu unserem Gott; denn er ist groß im Verzeihen. Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege – Spruch des Herrn. So hoch der Himmel über der Erde ist, so hoch erhaben sind meine Wege über eure Wege und meine Gedanken über euren Gedanken.
2. Lesung
Phil 1, 20ad–24. 27a
Darauf warte und hoffe ich, dass [. . .] Christus [. . .] durch meinen Leib verherrlicht wird, ob ich lebe oder sterbe. Denn für mich ist Christus das Leben und Sterben Gewinn. Wenn ich aber weiterleben soll, bedeutet das für mich fruchtbare Arbeit. Was soll ich wählen? Ich weiß es nicht. Es zieht mich nach beiden Seiten: Ich sehne mich danach, aufzubrechen und bei Christus zu sein – um wie viel besser wäre das! Aber euretwegen ist es notwendiger, dass ich am Leben bleibe. [. . .] Vor allem: Lebt als Gemeinde so, wie es dem Evangelium Christi entspricht.
Im Himmel
Vater unser im Himmel Vater unser im Licht Vater unser am Ziel Wir sind unterwegs Vater im Himmel, uns allen voraus Vater in uns, mit uns Vater im Himmel
Wo du bist, ist Himmel, Glück und Frieden. Wo du bist, ist Fülle des Lebens. Wo du bist, ist das Zuhause. Wo du bist, ist Sinn. Wo du bist, verstummen die Fragen. Vater unser im Himmel.
Martin Gutl
Wort zum Sonntag
Wie im Himmel
Der Himmel faszinierte die Menschen schon immer. Wie ist es dort? Gibt es ein Himmelreich? Und vor allem: Wie komme ich da hin? Wenn Jesus in seinem Gleichnis das Himmelreich beschreibt, wählt er ein praktisches Beispiel – die Arbeit. Wenn es um die Arbeit geht, werden wir sehr heikel. Wer leistet wie viel? Verdient eine/r gerade recht, genug, zu wenig? Oder hat er/sie sich das überhaupt verdient? Heutzutage dreht sich nicht mehr alles um die zu leistende Arbeitszeit – es geht viel mehr um das produktive Ergebnis. So wenige Arbeitskräfte wie möglich, so viel Gewinn für das Unternehmen wie nur machbar. Von gut gemeint ist wenig zu bemerken. Hier fallen dann jene durch, die mit diesem Leistungsdruck nicht mithalten können oder auch zu Recht nicht mehr wollen.
Jesus kreiert in seiner Erzählung, wenn man so sagen will, einen Vorreiter des Grundeinkommens, und ähnlich wie heute sind die anderen Arbeiter/innen wenig begeistert. Sie sind der Meinung, dass dies unfair ist. Jesus beschreibt seinen Vater im Himmel als einen Boss, der eine besondere Form der Gerechtigkeit umsetzt. Ihm geht es nicht um Leistung und Erfolg. Er ist nicht berechnend, sondern will Gutes tun und ist der Meinung, dass jede/r Arbeiter/in, der/die bereit war, ihm zu folgen und Einsatz gezeigt hat, gleichen Lohn verdient hat.So ist es auch mit unserem Glauben. Gott will diesen nicht messen und dann entsprechend entlohnen, denn er führt nicht Buch über die Zeit, die wir in Summe an ihn glauben. Das ist eine Sache nur zwischen mir und Gott, und Gott ist geduldig. Es geht um die Bereitschaft, ihm zu folgen und seine Aufforderung anzunehmen, egal ob früher oder später. Und wenn wir Gott suchen, uns vom Beispiel Jesu begeistern lassen und seine Ideen für unser Leben anwenden, dann kann – ähnlich wie im Gleichnis – auch unser Alltag wie im Himmel sein.
Zum Weiterdenken
Jesus hat es vorgelebt, hat uns Tipps gegeben für eine gerechtere Welt. Was kann ich Gutes tun, damit die Welt himmlischer, besser wird?
Stefanie Poxrucker Ehrenamtliche Vorsitzende der kj oö, engagiert in der Pfarre St. Peter/Wbg (Jungschar, Kinder- & Jugendfachausschuss), Studentin an der FH Linz/Soziale Arbeit.