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Geben, was Gott gehört

29. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr A), 19. Oktober 2008
Ausgabe: 2008/42, Geben, Gott, 29. Sonntag im Jahreskreis, Paulus, Völkerapostel, China, Wort zum Sonntag, Altes Testament, Gottes Reich, P. Luis Gutheinz, Missionssonntag
15.10.2008
Hier und an jedem anderen Ort der Welt(kirche): wo Christinnen und Christen für bedrohtes und verletztes Leben aufstehen, wo Unrecht nicht einfach hingenommen, sondern an der Veränderung zum Guten gearbeitet wird – überall da wächst Gottes Reich in dieser Welt.


Evangelium


Mt 22, 15–21

Damals kamen die Pharisäer zusammen und beschlossen, Jesus mit einer Frage eine Falle zu stellen. Sie veranlassten ihre Jünger, zusammen mit den Anhängern des Herodes zu ihm zu gehen und zu sagen: Meister, wir wissen, dass du immer die Wahrheit sagst und wirklich den Weg Gottes lehrst, ohne auf jemand Rücksicht zu nehmen; denn du siehst nicht auf die Person. Sag uns also: Ist es nach deiner Meinung erlaubt, dem Kaiser Steuern zu zahlen, oder nicht? Jesus aber erkannte ihre böse Absicht und sagte: Ihr Heuchler, warum stellt ihr mir eine Falle? Zeigt mir die Münze, mit der ihr eure Steuern bezahlt! Da hielten sie ihm einen Denar hin. Er fragte sie: Wessen Bild und Aufschrift ist das? Sie antworteten: Des Kaisers. Darauf sagte er zu ihnen: So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!


1. Lesung


Jes 45, 1. 4–6

So spricht der Herr zu Kyrus, seinem Gesalbten, den er an der rechten Hand gefasst hat, um ihm die Völker zu unterwerfen, um die Könige zu entwaffnen, um ihm die Türen zu öffnen und kein Tor verschlossen zu halten: [. . .] Um meines Knechtes Jakob willen, um Israels, meines Erwählten willen, habe ich dich bei deinem Namen gerufen; ich habe dir einen Ehrennamen gegeben, ohne dass du mich kanntest. Ich bin der Herr, und sonst niemand; außer mir gibt es keinen Gott.
Ich habe dir den Gürtel angelegt, ohne dass du mich kanntest, damit man vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang erkennt, dass es außer mir keinen Gott gibt. Ich bin der Herr und sonst niemand.


2. Lesung


1 Thess 1, 1–5b

Paulus, Silvanus und Timotheus an die Gemeinde von Thessalonich, die in Gott, dem Vater, und in Jesus Christus, dem Herrn, ist: Gnade sei mit euch und Friede. Wir danken Gott für euch alle, sooft wir in unseren Gebeten an euch denken; unablässig erinnern wir uns vor Gott, unserem Vater, an das Werk eures Glaubens, an die Opferbereitschaft eurer Liebe und an die Standhaftigkeit eurer Hoffnung auf Jesus Christus, unseren Herrn. Wir wissen, von Gott geliebte Brüder, dass ihr erwählt seid. Denn wir haben euch das Evangelium nicht nur mit Worten verkündet, sondern auch mit Macht und dem Heiligen Geist und mit voller Gewissheit.



Die Welt wird immer kleiner . . .


. . . und wir leben nicht mehr in Isolation, sondern in Solidarität.
Ich möchte hier kurz die wichtigsten Ereignisse und Beweggründe für meinen Einsatz für Menschen am Rande der chinesischen Gesellschaft darlegen. Am Missionssonntag im Oktober 1952, nachmittags um 16 Uhr bei der Gebetsandacht in der Hauskapelle des Paulinums in Schwaz, sagte der Vorbeter: Liebe Mitschüler, wir beten für die verfolgte Kirche Chinas! In diesem Augenblick wusste ich, jenseits aller Zweifel und Bedenken: Luis, du gehst nach China!
Diese Berufung führte zum Eintritt in die Gesellschaft Jesu mit dem ausdrücklichen Wunsch an Pater General Janssen, in die Mission nach China gesandt zu werden. Seit meiner Ankunft in der chinesischen Welt, am 23. September 1961 in Taiwan, beeindruckt mich, wie sehr chinesisches Denken zur alltäglich gelebten Praxis tendiert. Seit mehr als 30 Jahren versuche ich, mein philosophisch-theologisches Denken mit der Praxis im Dienst für Leprakranke und deren Angehörige in lebendiger Synthese zu verbinden.

- P. Luis Gutheinz SJ, mit dem China Leprosy Service im Dienst der Lepra-kranken, über seine Motivation zu diesem Einsatz.



Wort zum Sonntag


Wo sonst als hier auf der Erde Gottes Willen tun

Die Tatsache, dass sich der kleine Staat Israel immer wieder zwischen den Großmächten Ägypten und Babylon behaupten konnte, weckt Bewunderung. Jesaja sieht in Kyrus, dem Perserkönig, die Hand des allmächtigen Gottes (vgl. 1. Lesung). Gott erweist durch Kyrus, seinen „Gesalbten“, seine heilende Sorge für Israel, sein geliebtes Volk. Religiöse Dimension und wirkliches politisches Geschehen fließen in dieser Vision des Alten Testamentes in eins.

Aus diesem Blickwinkel betrachtet stellen die Pharisäer Jesus eine sehr delikate Frage: „Ist es nach deiner Meinung erlaubt, dem Kaiser Steuern zu zahlen, oder nicht?“ (Mt 22, 17) Jesus durchschaut die böse Absicht hinter der Frage und sagt ein Wort, das in unserer Zeit allzu oft falsch ausgelegt wird: „So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört.“ Zur Zeit Jesu gab es die Idee einer Trennung von Staat und Kirche nicht; das ganze menschlich-soziale Leben war eine verwobene Einheit. Seit den Zeiten der Aufklärung, mit dem 18. Jahrhundert immer mehr an Raum gewinnend, entsteht langsam die Idee, dass der Staat seinen eigenen Freiheitsraum der politischen Verantwortung haben muss, und dass Religion und Kirche auch ihren je eigenen Aktionsraum brauchen und haben müssen. Aus dieser neuzeitlichen, aufgeklärten Einstellung (im guten Sinn auch vom Vaticanum II in der Pastoralkonstitution „Gaudum et Spes“ bestätigt), wird das Wort Jesu oft falsch interpretiert, als ob Jesus für die Trennung von Kirche und Staat plädierte. Was Jesus eigentlich betonte, ist die grundlegende Einstellung jedes Menschen, nach besten Kräften Staat, also unsere gestaltete Gesellschaft, und Kirche zu unterstützen.

Zum Weiterdenken

Paulus, den der auferstandene Herr in seiner Herrlichkeit zum Völkerapostel berufen hat, wird nicht müde, für die unverdienten und alle Erwartungen übertreffenden Liebeserweise des dreieinen Gottes zu danken (vgl. 2. Lesung). Immanuel . . . Gott ist mit uns!


Gu Han Song Shenfu in Tirol P. Luis Gutheinz SJ genannt, lebt und arbeitet seit über 40 Jahren in Taiwan und China.

Den Autor erreichen Sie unter

sonntag@kirchenzeitung.at
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