Aus der Praxis: Helga ist in der Stadtaufgewachsen. Ihre erste Beziehung, aus der sie eine Tochter hat, ging in Brüche. Über das Internet hat sie Franz kennengelernt. Franz ist Bauer mit Leib und Seele und sehr glücklich, dass er Helga gefunden hat. Vor zwei Jahren haben sie geheiratet und sie erwarten bald ihr erstes gemeinsames Kind. Bis Helga auf den Hof kam, hat Franz ihn mit seiner Mutter bewirtschaftet, sein Vater starb vor vielen Jahren. Seine Mutter sagte oft, bevor er Helga kennengelernt hat, dass sie sich sehnlichst eine junge Frau auf den Hof wünscht, die sie entlastet und die Wirtschaft mit Franz weiterführt.Doch nun sitzen mir eine verzweifelteHelga und ein ratloser Franz gegenüber. Helga sagt, dass sie das Leben am Hof nicht mehr aushält. „Entweder ich werde verrückt oder ich muss davonlaufen, denn ich halte die dauernde Kritik meiner Schwiegermutter nicht mehr aus. Und von Franz fühle ich mich verlassen, weil er mich nicht unterstützt.“
Dieses Sprichwort ist ein wichtiger Hinweis für den jungen Bauern, seiner Frau einen guten Platz zu schaffen.
Für die Mutter von Franz ist es sicher nicht leicht, die Rolle der Bäuerin wirklich aufzugeben. Lange hat sie diese Aufgabe erfüllt und sie weiß genau, wie, wann, was gemacht werden soll.
Bereicherung. Es ist eine große Herausforderung, den Jungen den Hof wirklich zu übergeben und nicht dauernd „hineinzuregieren“, auch wenn es noch so gut gemeint sein mag. Genau das erlebt Helga als Bevormundung und Kritik. Übergeber, denen nichts Recht ist, haben innerlich nicht wirklich übergeben. Durch dauernde Kritik an der Schwiegertochter sagt die Mutter zu ihrem Sohn eigentlich: „Du hast die falsche Frau geheiratet.“ Und damit gefährdet sie die Ehe des jungen Paares. Gute Schwiegermütter schauen auf die Bereicherung, die eine junge Frau auf den Hof mitbringt und nicht, ob die Schwiegertochter alles so macht wie sie selbst es gemacht hat.
Mann und Frau. Auch für Franz ist die Situation nicht einfach. Bis jetzt war er mit seiner Mutter ein gutes Gespann. Gemeinsam haben sie nach dem Tod des Vaters den Hof geschaukelt. Mit seiner Heirat drückte er aus: „Ichverlasse nun die Rolle des Sohnes, um dir,Helga, ganz Mann sein zu können.“ Sein Platz ist nicht zwischen den beiden Frauen,sondern an der Seite seiner Frau. Wie kann er lernen, seiner Mutter freundlich undbestimmt entgegen zu treten und ihr zu vermitteln, dass Helga, so wie sie ist, Recht ist? Damit „bereitet er Helga den Hof“ und sie kann ihren guten und richtigen Platz finden.
Dank ausdrücken. Vielleicht muss er auch die Trauer seiner Mutter aushalten, die spürt, dass sie nicht mehr die wichtigste Frau für ihn ist, sondern Helga nun diesen Platz einnimmt. Vielleicht schafft sie das Übergeben auch innerlich leichter, wenn der Sohn ihre bisher geleistete Arbeit anerkennt und sich von Herzen bedankt. Wenn Franz dieser Rollenwechsel vom Sohn zum Mann gelingt, wird Helga gelassener und sicherer werden und nicht jede Bemerkung ihrer Schwiegermutter als Angriff empfinden.