Begonnen hat es mit einem Deutschkurs für Frauen, die aus anderen Ländern zugewandert sind. Aber der „wurde uns bald fad“. Darum sagten sich initiative Frauen aus Steyrermühl: „Machen wir doch einen Kochquatschkurs.“ Seit vier Jahren ist dieser ein guter Beweis: Übers Kochen kommen die Leute zusammen!
Mag. Irmgard Koller, eine Deutschlehrerin, und andere Frauen der Pfarre Steyrermühl wollten etwas für Frauen anderer Länder tun, die mit ihren Familien in die Arbeitsregion um die Papierfabrik gekommen sind. Viel leichter als beim Unterricht kommt man beim gemeinsamen Kochen ins Gespräch und vermittelt so Sprache und Kultur. Das ist die Erfahrung der Frauen von Steyrermühl, nachdem sie sich vor vier Jahren entschlossen haben, in der Pfarrheimküche vierzehntägig gemeinsam zu kochen.
Kleine Küche, große Welt. Die Küche ist eng und vier Herdplatten sind wenig, wenn gleichzeitig bis zu 20 Frauen kochen. Viele Köche mögen vielleicht einen Brei verderben, doch viele Köchinnen, das beweisen die Frauen, zaubern Exzellentes und Unterhaltsames in diesen drei Stunden. Jedes Mal kocht jemand anderer – so wird im Lauf der Zeit Köstliches aus vielen Ländern aufgetischt – aus Kamerun und der Dominikanischen Republik, Thailand und Japan, Polen, Bosnien und Serbien, Rumänien und Italien, Kambodscha und Österreich. Zum Saisonstart am 16. Oktober – während der Sommermonate hat der „Kochstammtisch“ Pause – sind auch drei Türkinnen gekommen, was die Initiatorinnen besonders gefreut hat.
Kochen und plaudern. „Das ist auch für uns eine Bereicherung“, freuen sich die „österreichischen Österreicherinnen“ auf die Treffen, die im Abstand von zwei Wochen stattfinden. Herzlichkeit, Freude am Kochen und dem anschließenden Genießen sowie Plaudern, Unterstützen und Spaß haben – prägen den Kochstammtisch.
Heimat Österreich. Während die einen Salat waschen, hacken andere Zwiebel, schneiden Wurst und Fleisch, richten Zutaten her, rühren in Töpfen, schmecken ab, decken den Tisch, bringen Getränke, plaudern. Alle nehmen teil am Leben der anderen. Wenn dann zu Tisch gebeten wird, gibt es soviel zu erzählen und zu loben. Denn das Essen schmeckt immer besonders gut. Am Schluss gehen alle bereichert heim – nicht nur um gute Kochideen bereichert, sondern vor allem bereichert durch das Erlebnis einer grenzenlosen Freundschaft. – Österreich als Heimat, in der beim Kochen die Leute zusammenkommen!
Internationaler Kochstammtisch
Frauen aus vielen Nationen kochen im Pfarrhof Steyrermühl. Sie sind eine tolle Gemeinschaft geworden. Sie kosten sich durch verschiedenste Nationalspeisen. Kommunikation entsteht dabei von selbst und vermittelt besser als Sprachkurse die deutsche Sprache. Man kann sagen: Deutsch geht durch den Magen! Für diese Initiative wurde der Internationale Kochstammtisch heuer mit dem Solidaritätspreis der KirchenZeitung ausgezeichnet. Der Kochstammtisch ist ein Vorbild für Solidarität und Integration. Und alle Beteiligten sind Bereicherte durch die Vielfalt. Auf diese Werte – Solidarität, Integration, bereichernde Vielfalt – könnte sich Österreich besonders auch zum Nationalfeiertag besinnen.
Rezept vom 16. Oktober
- Letscho a la Mama (gekocht von Brigitte Gruber). Eine große Zwiebel und eine 1 cm dicke Scheibe Speck kleinwürfelig schneiden. Speck anbraten, Zwiebel und Knoblauch dazugeben, dann eine Schale Reis. Mit Salz, Pfeffer, relativ viel Paprikapulver und Suppenwürze würzen, mit Wasser aufgießen (weniger als in der Kochanleitung). Gewürfelte Tomaten und Paprika beigeben (kann man zur Erntezeit gut, so vorbereitet, einfrieren). Etwa 20 Minuten bei geschlossenem Deckel dünsten lassen (Dinkelreis braucht länger, schmeckt aber sehr gut). Die letzten 10 Minuten den Deckel weggeben und in Scheiben geschnittene Frankfurter oder Debreziner beigeben. Vegetarier lassen Speck und Würstchen weg.